Am letzten Samstag war es wieder mal soweit! Olaf hatte im Namen der ARA Sachsen geladen zum gemütlichen 400er. Startzeit war diesmal mittags um 12:00 Uhr. Zum Glück endlich mal ausschlafen vor dem Brevet! …Schade, wenn man dann doch schon um Sieben aufwacht. Na gut ein ausgiebiges Frühstück und einige soziale Verpflichtungen später saß ich dann schon auf dem Rad Richtung Toni, der mich und Tina (der Name des roten Rosses) nach Bennewitz transportieren würde.

Dort angekommen schien zwar die Sonne, aber so richtig warm wollte es nicht werden. Also blieben die Ärmel dran und die Beinlinge an. Eigentlich wäre jetzt noch was zum Mittagessen nicht schlecht. Was anderes als Bananen. Vielleicht sollte ich mal eine Soljanka ausnahmsweise vor dem Start probieren. Aber nein, keinesfalls! Das könnte Unglück bringen. Bald traf auch Benedikt ein und damit war unsere kleine Reisegruppe wieder im Kern vereint, nachdem wir die letzten beiden Male Besuch bekommen hatten. Das Teilnehmerfeld hatte sich aber allgemein wieder etwas ausgedünnt. Diesmal sorgten ein paar Randonneure aus Polen für ein wenig internationale PBP-Stimmung. Allerdings starteten sie in der ersten Gruppe und wir sahen sie nicht wieder. Wir waren wieder in der Restgruppe – unserer Gruppe – gut aufgehoben. Diesmal versuchten wir gar nicht erst, Olaf zu folgen. Eine gute Entscheidung, sonst wären wir womöglich schon um 4:00 Uhr nachts wieder zurück gewesen! 😉 Nein, die Startgebühr galt es wieder voll auszukosten.

Noch in Bennewitz überholten wir einen älteren Herren auf einem E-Bike sitzend. Zwei Kurven später überholten wir einen älteren Herren auf einem E-Bike sitzend….Moment mal! Ein Fehler in der Matrix oder in der Streckenplanung? Wir sollten es nicht erfahren…

Aus Osten näherten wir uns Leipzig. Plötzlich fanden wir uns in Fuchshain auf der Straße wieder, die ich heute schon mal in die entgegen gesetzte Richtung abgeradelt war. Da hätte ich ja heimlich unterwegs zusteigen können. In Großpößna hatte Toni sich sein Überlebenspulver in die örtliche Apotheke bestellt. Es sollte ab halb 12 dort auf ihn warten. Die Route führte direkt an besagter Einrichtung vorbei. Leider war sie nur bis 12:00 Uhr geöffnet. Das ging ja wieder gut los! Aber vielleicht würde er das Pulver ja gar nicht brauchen?

Über Markkleeberg ging es weiter Richtung Weißenfels. Von da an folgten wir der Saale über Naumburg und Bad Kösen, bevor es über die thüringische Landesgrenze ging. Da kamen bei Benedikt und mir Erinnerungen auf an unsere erste gemeinsame Radtour 2006. Tatsächlich erkannten wir eine alte Dorfstraße wieder, die uns auf unseren Radtouren schon mehrmals untergekommen war. Von Magdala nach Pößneck ging es durch eine wunderschöne Tallandschaft. Am liebsten hätte ich mein Zelt hier aufgeschlagen, aber nein, das war ja gar nicht dabei. Also weiterfahren! Langsam wurde es dunkel und damit kühler und kühler und noch kühler. Jetzt ging es Richtung Werdau und mir fiel auf, dass man durch die Brevets sehr eigenartig sensibilisiert wird: „Ja, Werdau war ich schon. Gibt da gute Bockis an der Tanke“ oder „Torgau, ja kenn ich, aber die Aral dort hat ab 22:00 Uhr nur nen Nachtschalter“ oder „Glauchau – immer eine Reise wert und die Aral hat durchgängig geöffnet und die Klos sind das Beste! Da kannst du so richtig …“- egal, Themawechsel!

In dieser kalten Nacht trafen wir noch auf einige erschöpfte Einzelkämpfer. Einer traute sich mit einer ordentlichen Heldenkurbel die Strecke zu fahren mit 52/42 Zähnen. Sportlich!

Bei wohligen vier Grad ging es dem Sonnenaufgang entgegen, getreu dem Motto: „Wer bremst, der friert!“ Zum Glück wusste Olaf das mit seiner Streckenplanung zu verhindern und so baute er von Glauchau über Rochlitz, Colditz und Leisnig noch ein paar schöne Anstiege ein, damit auch wirklich keiner unterkühlen würde. Nach knappen 22 Stunden und 407 Kilometern erreichten wir schließlich die Endkontrolle in Oschatz fünf Stunden vor der Deadline.

Nach weiteren 30 Kilometern (schließlich mussten wir ja noch zurück nach Bennewitz) trafen wir beim entspannten Durchatmen noch auf einige andere Randonneurskollegen, so z.B. auch auf den Radelnden Uhu, um das Freud und Leid der vergangenen Nacht auszuwerten. Insgesamt ging es auf der Etappe 4500 Meter in die Höhe. Das war damit nur ein kleiner Vorgeschmack auf die 680 Kilometer, die uns im Juni über Brocken und Kyffhäuser führen werden. Insgesamt warten dort etwa 7500 Meterchen in die Höhe auf uns.

Jetzt heißt es also, schnellst möglich die Räder wieder putzen, polieren und justieren. Nächste Woche reisen einige Radlausicker zu einer gepflegten Herrentagsausfahrt in die Dolomiten. Das ist sicherlich auch eine gute Vorbereitung auf die kommenden Projekte.

In diesem Sinne: Kette rechts!

Euer Radlausicker