Eine Geschichte über einen Tag am konditionellen Limit mit Happy End
Achja, eine gebrochene Achse kommt auch darin vor.

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Diesen Karfreitag brachen Manu und ich zu einer etwas anderen Ostertour auf. Es ging dabei nicht um die Nähe zur Natur oder die Freude am Radfahren an sich. Nein, das banale Erreichen eines bestimmten Ziels stand für uns auf dieser „Tor-Tour“ im Vordergund. Und das war wie bereits im ersten Versuch vor zwei Jahren die tschechische Hauptstadt.

Nach einem kurzen Frühstüch brachen wir 4:52 Uhr in Richtung Chemnitz auf, dass wir in unserer morgendlichen Frische recht zügig erreichten. Mit einem 26er-Schnitt trodelten wir ein. Aber bereits am Ortsausgang der Stadt schien uns das Vorland des Erzgebirges seine ersten Ausläufer in den Weg stellen zu wollen. Und ehe wir uns versahen ging es stetig nur noch bergauf, manchmal auch wieder leicht bergab, aber nur wenn es anschließend doppelt so steil wieder hinauf gehen sollte. An einem Anstieg hatte ich einen plötzlichen Schwächeanfall und musst ein paar Meter schieben, ehe es richtig weitergehen konnte.

Bis zum Mittag wurden wir noch mit einer ewig langen Abfahrt für die sauren Oberschenkel belohnt. Auf tschechischer Seite legten wir dann die erste längere Pause (40 Minuten) ein. Es sollte eigentlch die einzige Pause von diesem Ausmaß sein, aber das kam später doch etwas anders.

Auf tschechischer Seite folgen wir der Hauptstraße von Chomutov nach Prag. Der Seitenstreifen war meistens in gutem Zustand und breit genug, um genügend Abstand zu den vorbeifahrenden Autos und 10-Tonnern zu halten. (Außerdem hatten wir ja unsere Helme auf 😉

Louny – die Endstation des letzten Prag-Versuchs hatten wir bereits hinter uns gelassen, als wir von unserem Tour-Mobil (und Rückfahrgelegenheit) mit motivierendem Hupen überholt wurden. Aus dem Hupen klang so etwas wie: „Wir sehen uns dann gleich in Prag!“ und gab wieder etwas Kraft in die mittlerweile nur noch von Powerbars und anderen Müsliriegeln mit Energie versorgeten Oberschenkel.

Kurz darauf, ich fuhr gerade in Manus Windschatten leicht bergab, krachte es hinter mir, unter mir. Verdammt, wo kam das her? Was war da passiert? Das Rad blockierte. Ich drehte mich um und sah irgendetwas metallisches quer über die Straße fliegen, ehe dutzende Autos drüberfuhren.

Ein kurzer Blick auf das Hinterrad und die Feststellung: Das war gerade der Schnellspanner der Achse, der sich verabschiedet hatte. Das durfte doch nicht wahr sein – sollte die Tour erneut 60 Kilometer vor dem Ziel beendet werden? Nach einem kurzen Telefonat mit unserem „Streckenfahrzeug“ kam die schelle Hilfe. Zum Glück gabe es im 10 Kilometer entfernten Slany einen Radladen und Karfreitag war hier auch kein Feiertag, wie wir zunächst verzweifelt angenommen hatten. So konnte das Problem innerhalb von insgesamt 45 Minuten behoben werden. Jetzt musste es einfach klappen.

30 Kilometer vor Prag verließen wir die Hauptstraße, da sie zur für Radfahrer unbefahrbaren Schnellstraße wird. Über verschlafene Dörfer und schmale Nebenstraßen schlängelten wir uns in Richtung Prag. Dass die Gegend hier viel gemütlicher zum Radfahren war als, die breite Hauptstraße, die wir die letzten Stunden dauernd unter uns hatten, nahmen wir nur am Rande war. Jetzt merkte man, dass die bis dato gefahrenen 200 Kilomteter (inkl. der zahlreichen Höhenmeter des Erzgebirges) richtig an die Substanz gingen. Nach einem allerletzen Trinkstop in einer kleinen Dorfkneipe rollten wir in der tschechischen Hauptstadt ein. Damit ist das Projekt „Prag an einem Tag“ im Licht der untergehenden Sonne doch vom Erfolg gekrönt worden.

Nach einer Nacht im Tiefschlaf fiel der Muskelkater ausgesprochen gering aus. Nur der Brooks-Sattel hat nach 220 Kilometern nonstop doch so seine Spuren hinterlassen 😉