Irgendwie wird es einem im PBP-Jahr nicht leicht gemacht. Nach einem Brevet-Auftakt der Extraklasse bei bestem Wetter zum 200er folgten Schneeregen zu Beginn des 300ers und mäßige Temperaturen bei der diesjährigen Gulasch-Tour von Leipzig nach Prag.

Das kann doch eigentlich nur besser werden!, dachte ich mir und beobachtete die Wetterprognose für das vergangene Wochenende bis zuletzt mit viel Optimismus. Wenn es zwischendrin mal schauert, wird mal halt naß. Trocknet alles im Fahrtwind wieder! Je näher das Brevet rückte, um so größer wurde allerdings die ernüchternde Gewissheit, mit Sicherheit nass, aber nicht wieder trocken zu werden. Prognose: Dauerregen bis in die frühen Morgenstunden. 

Eine Wahl hatte ich nicht. Nachdem ich die 400er-Nachtfahrt in Gießen mit Schneesicherheit glücklicherweise ausgelassen hatte, musste ich bei Olafs sächsischem 400er antanzen. Die Strecke kam mir bekannt vor, die Startzeit war mir mit 10:30 Uhr etwas spät gewählt. Das würde auf jeden Fall eine Nachtfahrt werden. Angesichts der Wetteraussichten keine motivierende Aussicht. Am Vorabend des Brevets bastelte ich noch das neue Familienmitglied aus Koblenz zusammen, stellte mir noch die Sattelhöhe ein. Ein 400er ist eine gute Gelegenheit, ein neues Rad einzufahren oder etwa nicht?

Pünktlich zum Start setzte der versprochene Regen ein. Die etwa 60 Randonneure, zum größten Teil in Regen-Outfits gehüllt, starteten recht wortkarg auf den Kurs, der zunächst nach Westen, Richtung Thüringen führte. Nach 30 Kilometern in Leipzig klinkte ich mich allerdings schon aus der Gruppe aus. Ich hatte etwas spekuliert, doch es half nichts – ohne Regenklamotten wollte ich nicht weiterfahren. Also kurz zur Seite ran, Regenhose an, Brille ab und keine Menschenseele weit und breit war noch zu sehen. Also fuhr ich allein weiter, wie schon beim 300er. Dass ich ein neues Rad unter mir hatte, beachtete ich gar nicht, was ich angesichts der Rahmenbedingungen positiv werte. Die DI2 schaltete butterweich, die Scheibenbremsen griffen trotz der Nässe und nagelneuer Belege sofort erstaunlich gut. In Weißenfels traf ich noch einmal kurz die Gruppe, die gerade wieder am Starten war. Nach einer kurzen Pause rollte ich weiter. Regen und Wind gestalteten die Etappe nach Pößneck recht zäh, aber immerhin traf ich dort wieder auf 4 Mitstreiter, die kurz vor mir wieder aufbrachen. Zwei von ihnen habe noch aus weiter Ferne den falschen Abzweig nehmen sehen, aller zu weit weg, um es zu verhindern. Die Dunkelheit näherte sich. Marcus und seinen Kumpel habe ich kurz darauf wieder getroffen. Allerdings habe ich sie an einer Abfahrt wieder aus den Augen verloren, ehe ich sie am Straßenrand wiederentdeckte. Ein Platten bei Regen mit kalten Fingern zu reparieren ist kein Genuss. Ich hielt kurz, musste aber weiter, um in Bewegung zu bleiben. In Glauchau traf ich Marcus an der Kontrolltanke wieder. Sein Kumpel hatte nach dem Platten aufgeben müssen. Nach einer kurzen Teepause beschlossen wir, zu zweit weiter durch die Nacht zu fahren.

Während wir uns unterhielten, konnte ich den Regen fast vergessen. Dennoch kroch die Kälte langsam durch die Jacke, wenn wir ins Versuchung kamen, anzuhalten. Also fuhren wir weiter, wenn auch mit etwas gedrosselter Geschwindigkeit. Von Leisnig aus fielen die Kilometer dann wieder. Die Dämmerung setzte ein, als wir die Kontrolle in Oschatz erreichten. 400 Kilometer im Regen lagen bisher hinter uns. Auf den letzten 20 zurück nach Bennewitz ließen die Tropfen das allererste Mal nach. Der Regen war vorbei und wir hatten noch 15 Kilometer um uns im Fahrtwind zu trocknen. Mit der aufgehenden Sonne erreichten wir kurz vor 6 die Soljanka-Station. Allerdings hatte ich mich die letzten 100 Kilometer mehr auf die heiße Dusche und meinen Schlafsack gefreut. 

Nach dem Brevet mit den bescheidensten Wetterbedingungen bisher überhaupt für mich, fühlte ich mich dennoch besser als nach dem 300er. Ich hatte es zum Glück etwas ruhiger angehen lassen und so Körner gespart. Jetzt hoffe ich endlich auf eine Hitzeschlacht beim 600er, damit ich endlich mal wieder zügiger fahren kann 😉

Am kommenden Sonntag lösen wir erstmal Benedikts Geburtstagsgeschenk ein und fahren in der PBP2015-Gedächtnis-Konstellation beim NSC300 in Leipzig.

Bis dahin!

Kette rechts!

Martin