Normalerweise würde ich jetzt in Vorfreude auf Ostern Eier bemalen, diese anschließend verstecken und daraufhin suchen, finden und verzehren. Danach würde ich mich  frisch gestärkt mit ein paar verwegenen Gleichgesinnten zu einer unsäglich frühen Uhrzeit verabreden, um an einem Tag von Leipzig nach Prag zu radeln. Wie gesagt: Normalerweise! Nicht in diesem besonderen Jahr 2015, in dem die 1931 geborene Traditionsveranstaltung Paris-Brest-Paris zum 18. Mal stattfindet und Radlausicker zum ersten Mal versuchen werden,  Startplätze dafür zu sichern.

Aus diesem Grund begann die Radsaison in diesem Jahr für uns bereits eine Woche vor dem Osterfest mit dem 200-Kilometer-Brevet der ARA Sachsen. Organisator Olaf Hilgers wählte eine Route, die uns von Bennewitz bei Wurzen in den Norden Sachsens führte. Die flache Landschaft und der anfängliche Rückenwind sorgten für einen zügigen Schnitt.  Wir starteten in der zweiten Gruppe, deren Verbund sich nach 30 gefahren Kilometern allmählich auflöste. In Pretin verpassten wir die Elbfähre um wenige Sekunden, so dass wir eine unnötige Pause einlegen mussten. Dieses Spiel wiederholte sich identisch einige Kilometer später in Belgern, wo die Route abermals den Fluss kreuzte. Etwas ausgekühlt vom vielen Warten vertrauten wir auf Abhilfe durch Olafs Routenplanung. Und wir wurden nicht enttäuscht. Von Oschatz aus ging es auf den Collmberg, der mit etwas über 300m ü. NN nicht unbezwingbar ist, aber sich nach den ersten 115 Kilometern der Saison auch nicht von allein fährt. Zumindest fror keiner mehr. Wieder vom Berg herunter, schlossen sich noch zwei Randonneure unserem  Dreiergespann an. Zu diesem Zeitpunkt drangen einzelne Sonnestrahlen sogar bis in unsere Gesichter durch. Gemeinsam sammelten wir in der Gruppe noch einige Mitstreiter auf der „Zielgeraden“ ein. Im belgischen Kreisel gelangten wir noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück nach Bennewitz, wo Olaf bereits mit Soljanka wartete. Allein dafür lohnt sich jede Brevet-Teilnahme!

Nach Ostern geht es direkt mit dem 300km-Brevet weiter, so dass die Pragtour in diesem Jahr etwas später stattfindet. Es wird außerdem noch einen Abstecher in die Dolomiten geben. Meine neue 34-zähnige Kletterkurbel will ja in ihrem natürlichen Umfeld getestet werden.

In diesem Sinne, Kette rechts!

Euer Radlausicker

Ein kurzes Video vom 200er