Da es uns dieses Jahr einfach weder vergönnt war, die Strecke von Leipzig nach Prag unter die Räder zu nehmen, noch die Dresden-Prag-Edition zu starten, haben wir uns, kurzfristig dazu entschieden, einfach ein kleines Rollo um Dresden zu machen – nix Großes, aber gemeinsam mit Leuten, die unsere Passion für`s Radfahren teilen oder diese gerade entdecken. Und so reisten Freunde und neue Freunde aus Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Leipzig und Dresden an, um ….. 

…am Tag der Ausfahrt festzustellen, dass sich Regen von innen durch die Fensterscheibe beobachtet mit einem heißen Kaffee in der Hand besser anfühlt, als auf dem Rad die 1000 kalten Nadelstiche im Gesicht, das zunehmende Taubheitsgefühl in den aufgequollenen Fingern und die frustrierende Erkenntnis, dass die neuen wasserdichten Socken nur zur Hälfte das halten sie versprechen, indem sie das Wasser zwar rein, aber nie wieder rauslassen. Und auch der zweite und dritte Kaffee waren ganz ok. So kam es, dass unsere Wohnung auf einmal voller Menschen (und deren Rädern) war, die sich untereinander nicht kannten (weder Menschen, noch Räder) und die sich wohl nie getroffen hätten, gäbe es da nicht den Anlass, gemeinsam einen Tag auf dem Rad zu verbringen. Es wurde geplaudert, gefachsimpelt und natürlich liefen Fahrradfilme!

Alle 10 Minuten wurde abwechselnd die Lage auf dem Balkon und allen verfügbaren Wetter-Apps gecheckt. Und dann kam er – unser Slot! Einmal zur Frauenkirche und zurück – wenigstens etwas Sightseeing mit den von weither angereisten Gästen. Dann sollte es schnell wieder heim gehen ins Warme. Allerdings lagen zwischen da und heim noch zwei Platten durch großflächig auf dem Radweg verteilten Flaschenresten. Zu einem abenteuerlichen Musikmix aus der Box des Kids, die uns argwöhnisch beäugten. Ich fragte mich, was einen wohl bei diesem Wetter dazu reitet, sich unter einem Vordach selbst zu beschallen. Dann schaute ich an mir runter auf die  schwarz verölten Hände, die gerade am Mantel auf der Felge walkten, während mir des Regenwasser in den Nacken floss und zog die Frage zurück.

Glücklicherweise verzog sich das Wetter über Nacht, so dass wir am Nächsten Tag zumindest noch ein etwas kürzere Runde von 100 KM drehen konnten. Dabei ging es über Moritzburg in den Dresdner Norden. Auch wenn das Leistungsniveau sehr unterschiedlich war, hatte ich nie den Eindruck, dass es für jemanden in der Gruppe stressig wurde. Nach dem Regentag waren alle einfach nur dankbar, dass man heute wieder Rad fahren konnte. Für Silke und Florian war es das erste Mal dreistellig, als sie gerade wieder über das Blaue Wunder rollten und dabei von allen ordentlich gefeiert wurden.

Alles in allem denke ich, dass es neben der Pragtour ab nächstem Jahr ein weiteres festes Date im Radlausick-Kalender geben wird. Auch wurde bei einigen ein erster kleiner Gedanke an PBP 2023 geboren. Diese Gedanken dürfen jetzt bei jedem etwas reifen. Für mich gibt es dieses Jahr aber keine Langstreckenprojekte mehr – nur noch das persönliche Ziel, die 12.000 Kilometer in diesem Jahr voll zu machen und nächstes Jahr mal wieder einen vierstelligen Kanten zu fahren.