Als wir am Morgen unseres fünften Fahrtages durch unsere kalten Fuse geweckt wurden, waren die Temperaturen so tief gefallen, dass wir glaubten, wir hätten den Wintereinbruch verschlafen. In absoluter Rekordzeit hatten wir unser Zelt weggepackt und uns ohne Frühstück auf die Räder gesetzt. Das lag aber nicht an einem straffen Zeitplan, sondern einzig daran, dass unsere Gliedmaßen unangenehm abkühlten, wenn sie nicht in Bewegung waren. Da der Fahrtwind uns auch in Bewegung nicht recht warm werden ließen, beschlossen wir beim nächsten Bäcker auf die Sonne zu warten. Unsere kalten, tauben Finger umschlossen die heißen Kaffetassen wie einen heiligen Gral. Als wir uns an dem feinen Röstung gelabt hatten, tauchten auch ein paar Sonnenstrahlen auf.

Der Radweg erschien uns unerwartet leer. Wahrscheinlich lag es daran, dass die Hauptsaison schon vorbei war. Zwar trafen wir immer wieder auf Touristengruppen aus Deutschland, Österreich, England und Italien, aber erst ca. 5 km vor Linz füllte sich die Route unangenehm. Einmal wichen wir sogar auf die Straße aus, da ein Radweg an einer leichten Steigung von den Touris regelrecht blockiert wurde 😉

Bisher hatten wir noch nichts von den uns prophezeiten 28c zu spüren bekommen. Erst während unserer Mittagspause in Linz öffnete sich die Wolkendecke und die Sonne entlud ihre bis dahin zurückgehaltene Energie in einem Zug. Das Wetter schlug von einem ins andere Extrem. Hätten wir am Morgen noch Neuschnee vor unsrem Zelt vermutet, so brannte die Sonne jetzt fast unangenehm heiß auf der Haut. Leider hatten bei unserer Ankunft in Grein schon alle Läden geschlossen, so dass es dann zur Feier des Tages Reis mit Brot gab.

Dafür war die Nacht viel weniger kalt als die vorige. Am nächsten Tag genossen wir unser Frühstück direkt am Donauufer. Dabei zogen wieder Schwärme von Non-Gepäck-Radtouristen an uns vorüber. Am Mittag erreichten wir das Kloster Melk. Seine goldener Schein lässt es weit über die Stadtgrenzen hinaus erstrahlen. Nachdem wir uns von dem offensichtlichen Reichtum der Benediktiner überzeugt hatten, beschlossen wir uns ein geeignetes Plätzchen am Donauufer zu suchen. Wir und unsere Sachen hatten wieder mal eine Berührung mit Wasser nötig.

Als bis zu den Knien im Wasser stand, tauchte urplötzlich ein zügig vorbeifahrendes Passagierschiff auf. Manu musste sich entscheiden, ob er sich weiter ins Wasser wagte oder seinen nackten Adosnis den Besuchern des Sonnendecks präsentierte. Er entschied sich für letzteres. Während das Schiff schon fast vorüber war, stellten wir überrascht fest, wie das Wasser regelrecht sogartig vom Ufer verschwand.Davon beeindruckt, dachte n wir beide allerdings nicht an das zwangsläufig Folgende.

Mit einem Mal brachte eine Welle das verlorene Wasser zurück. Und dazu noch etwas mehr. Mit einem beherzten Sprung griff ich eine Hose, die ich gerade gewaschen hatte. Die übrigen Klamotten und das saubere Geschirr verabschiedete sich allerdings wieder im Uferschlamm! Mein Teller hätte sogar beinahe ohne mich die Reise ans Schwarze Meer fortgesetzt.

Am folgenden Tag erreichten wir über Krems und Tulln endlich Wien. Die letzten Kilometer spendete uns ein älterer Rennradfahrer Windschatten. So rasten wir mit 35 Sachen auf die österreichische Hauptstadt zu. Verdutzt schauten die anderen Radtouristen und Rennradbesitzer, die wir überholten, auf die unstimmige 3er-Konstellation.

In Wien erwartete uns bei meinem guten Freund Tino ein richtiges Bett auf uns. Allerdings verlegten wir den ?Stadtbummel“ auf den nächsten Tag. Wir waren sehr froh darüber, Wien endlich erreicht zu haben, da jetzt endlich unser Abenteuer Osteuropa beginnen konnte und auch sollte.