10 Jahre – 10 verwegene Typen – 299 Kilometer

Der letzte Blick auf die Wetterkarte am Freitagabend machte etwas Hoffnung. Die Nacht auf Samstag sollte milder werden als die winterlichen Nächte zuvor. Die nächtliche Regenwahrscheinlichkeit war allerdings weiterhin sehr hoch, sollte aber bereits am frühen Morgen rapide sinken. Wir konnten es sowie so nicht beeinflussen. Nur eines stand fest. Wir würden Samstag einem 10 Jahre alten Brauch folgen und unsäglich früh im Sattel sitzen.

Während einer abendlichen Henkersmahlzeit beim örtlichen Italiener (Pizza als Vorspeise und Pasta als Hauptgang oder halt umgekehrt) gab es für alle Randonneure Gelegenheit, sich einander auszutauschen. Schließlich starteten beim 10-Jährigen Jubiläum gleich drei „Rookies“, die sich das erste Mal der Herausforderung stellten, einen Tagesausflug nach Prag zu unternehmen. Bis auf Dirk, der erst am Samstagmorgen nach Leipzig kommen wollte und Tonis Helm, der noch mit einer Mitfahrgelegenheit aus Karlsruhe nach Leipzig anreisen sollte, war das Team Prag bereits komplett. Nach einem letzten Guten-Nacht-Bier verabschiedeten sich nach und nach alle in ihre Kojen (Außer Toni, der wartete noch auf seinen Helm…).

Als es endlich 4:00 Uhr läutete, herrschte sofort allgemeine Aufbruchstimmung. Toni freute sich so sehr über seine rechtzeitig eingetroffene Kopfbedeckung, dass er sie gleich zum Frühstück aufsetzte. Neben starkem Kaffee wurden  auch Pasta mit Tomatensoßen und Bananen aufgetischt – jeder, wie ihm beliebte. Gemeinsam rollten wir die ersten Kilometer zum Völki, dem Treffpunkt für verwegenen Radfahrer an diesem Morgen. Pünktlich vorm Start gab es das versprochene Wasser von oben. Nach und nach trudelten alle Mitfahrer ein. Die Taschen wurden noch einmal verzurrt, die Fußwärmer übergezogen. Regenjacke an oder aus?…Egal, Reflex-Weste drüber. Da standen die 10 Gestalten im Nieselregen wie Bauarbeiter zum Schichtbeginn (Zitat Dikt).

Pünktlich 5:00 Uhr rollte der Tross aus der Stadt heraus. Allerdings forderten die nassen Straßenbahnschienen bereits nach wenigen Kilometern ein erstes Opfer. Aber die Wunde an Dirks Knie war nicht tief oder das Adrenalin übertünchte den Schmerz….Nach einem kurzen Aufatmen setzten wir unsere Fahrt in die Morgendämmerung fort. Der Regen hatte bereits an der Stadtgrenze aufgehört. Jetzt kam das Wasser nur noch von unten. Über die leere Bundesstraße rollten wir durch Wurzen und Oschatz nach Meißen auf den Elbradweg. Auch hier hielt sich der Radverkehr angesichts von Uhrzeit und Wetter sehr in Grenzen, so dass wir zügig durch Dresden kamen. Bereits 9:45 Uhr kamen wir in Pillnitz an und legten nach 130km unseren Frühstücksstopp ein.

Langsam blitzte die Sonne ab und zu mal durch die Wolken. Aber ohne Bewegung blieb es dennoch recht kühl. Die einzige Lösung: Weiterfahren! Bis Königstein folgten wir dem Elbradweg. Von Bad Schandau nach Decin ebenso. Der Rückenwind trieb uns zügig den Fluss entlang. Bei Kilometer 200 in Male Brezno verließen wir den Fluss und kletterten den einzigen „Pass“ der Tour hinauf von 140m auf 440m. Endlich kam man mal auf Betriebstemperatur! Nach einer herrlichen Abfahrt fanden wir dann in Kochovice eine Kneipe, die außer Bier auch noch etwas zu Essen bereithielt.

Nach der zweiten Pause warteten nur noch 75 Kilometerchen auf uns. Allerdings hatten wir den idyllischeren Teil der Tour bereits hinter uns. Vorbei an Kraftwerken und über eine unschöne Hauptverkehrsstraße kämpften wir das erste Mal an diesem Tag gegen den Wind und unentspannte Autofahrer. Aber spätestens am Praha-Ortsschild spielte das keine Rolle mehr, auch wenn die letzten 10 Kilometer bis zum Wenzelsplatz nochmal ordentlich den Schnitt versaut haben 😉

Dank unseres Super-Support-Teams warteten in Prag schon all die schönen Sachen, die sich ein jeder für die Ankunft in seine Reisetasche gepackt hatte: Nutella, Eistee, Bier und Zigaretten….echte Sportlernahrung halt.

Die diesjährige Tour war definitiv eine der besten, da war sich das Kernteam einig. Das lag nicht zuletzt an einer sehr entspannten Reisegruppe, die hoffentlich in dieser Konstellation wieder mal zusammenkommt.

Für Toni, Erik und mich bleibt jetzt aber erstmal gar nicht viel Zeit zum Durchatmen und Kette ölen. Am 1. Mai bestreiten wir als Team Radlausick das legendäre Traditionsrennen um den Henninger Turm (jetzt Rund um den Finanzplatz) in Frankfurt. Wir freuen uns auf den Feldberg und den Mammolshainer Stich!

Hier noch die Funfacts zur Tour für Zahlenfetischisten

Distanz 299km
Schnitt 28,4km/h
Fahrzeit 10:32:08
Gesamtzeit 14:22:07
Anstieg 2021hm

 

Strava-Track der Tour zum Nachfahren!

Fotos