Noch ein paar Tage, dann sind die vier Jahre vorbei und das älteste und längste Fahrradfest der Welt geht in eine neue Auflage. Am kommenden Sonntag um 16:00 Uhr werde ich nach 2015 das zweite Mal bei Paris-Brest-Paris starten. Diesmal reise ich allerdings ohne meine Freunde und Radkollegen Toni und Benedikt in die Stadt der Liebe, aber dafür mit der Liebe selbst und noch weiteren tollen Menschen. Ich freue mich sehr, diese Unterstützung an meiner Seite zu haben. Es fühlt sich dennoch etwas komisch an, ohne diejenigen im Sattel zu sitzen, die mich schon seit vielen tausenden Kilometern in vielen Ländern auf dem Rad begleiten. Der Geruch von Benedikts Carazza und Tonis Breakdance-Einlagen werden mir sehr fehlen. 

Wenigstens eine Konstante gibt es – der gute alte Brooks B17-Sattel, der nur das Unterteil gewechselt hat. Aber es handelt sich dabei wieder um ein Fabrikat aus Koblenz – diesmal aber Eines, das nicht wie 2015 nur 30 Kilometer Probe gefahren wurde vor Paris. Das erste Mal wird es beim PBP auch die Möglichkeit geben, Tri-Bars zu nutzen. Ich möchte sie auf langen Strecken nicht mehr missen. Ansonsten werde ich sehr minimalistisch unterwegs sein. Die Rahmentasche, die ich nutze, ist zur Hälfte mit Maltodextrin gefüllt. Abgesehen davon habe ich noch Beinlinge, Armlinge, eine Regenjacke, eine Regenhose, ein Buff, ein Unterhemd, eine Handvoll Gels, zwei Schläuche, eine Pumpe und etwas Werkzeug dabei. Eine wirkliche Schlafpause werde ich dann machen, wenn sie nötig ist – geplant habe ich sie erstmal nicht. Nach spätestens 80 Stunden muss ich, nach höchstens 60 Stunden will ich zurück in Paris sein (…und von 50 Stunden träume ich 😉 )

Paris-Brest-Paris ist kein Rennen – In meinen Augen ist es ein Statement. Es geht nicht darum, als Erster zurück zu sein, sondern sein Ziele zu erreichen. Paris-Brest-Paris heißt auch dann weiter zu machen, wenn es mal anstrengend wird und nicht aufzugeben, wenn das kleine Männlein im Kopf anfängt zu erzählen, wie toll es gerade auf der heimischen Couch wäre. Aber man ist ja nicht allein mit diesem Männchen im Kopf. Mehr als 6000 Randonneure motivieren sich gegenseitig, die Männchen für ein paar Stunden auf Sightseeing-Tour in Paris zu lassen und einfach weiter meditativ in die Pedale zu treten.

Für mich heißt Paris-Brest-Paris in diesem Jahr auch, Vergangenes hinter mir zu lassen und voller Dankbarkeit nach vorn zu schauen. In Brest mache ich sogar etwas, was sonst meiner Natur absolut widerstrebt… In die gleiche Richtung zurückzufahren, aus der ich hergekommen bin.

Hier lohnt es sich allein der Liebe wegen schon. (Und ein Finisher-Bier gibt es ja sicher auch!)