Während draußen noch Winter angesagt ist, richten sich die Randoneursaugen bereits auf die kommende Saison und das Highlight im August in Paris. Erstmalig werden Fahrer, die im Vorjahr nicht mindestens ein 300KM-Brevet gefahren sind, schlechte Chancen auf einen Startplatz haben. Die zunehmende Beliebtheit der Langstrecke macht sich natürlich auch in Paris mit seinen begrenzten Startplätzen bemerkbar. 

Um sicherzugehen, habe ich schon im Januar die Chance genutzt und die Pre-Registration durchgeführt. Dank des erfolgreichen 1000KM-Brevets im letzten Jahr durfte ich mich als einer der Ersten anmelden. Jetzt geht es langsam in Vorbereitungsphase. Nach den Fehlern meiner letzen PBP-Teilnahme 2015 habe ich inzwischen viele Erfahrungen auf der Langstrecke gesammelt, die ich gern auch mit anderen Langstreckenfahrern teilen möchte. Heute zunächst ein paar grundsätzliche Bemerkungen zu einer möglichen „Strategie“, die ich mal als  meine persönlichen DON`Ts bezeichnen würde. Ich erhebe dabei jedoch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Es handelt sich um meine eigenen Erfahrungen.

Gemeinsam fahren

2015 sind wir zu dritt in Paris gestartet mit dem ambitionierten Anspruch, die gesamte Strecke gemeinsam zu bewältigen. Das war eine derbe Zerreißprobe, da es bei so großen Distanzen zwangsläufig zu unterschiedlichen Bedürfnissen und Befindlichkeiten kommt, die nur sehr schwer vereinbar sind. Es ist ein ehrenwerter Gedanke, als Team zusammenzufahren. Bei PBP werde ich das nicht mehr machen. Jeder sollte sein eigenes Tempo fahren, Pausen dann einlegen, wenn sie für ihn nötig sind. 

Ein neues Radsetup fahren

Eigentlich braucht es hierfür keine größeren Erklärungen, da das ganz von alleine passiert, wenn man bereits ein paar Langstrecken hinter sich gebracht hat. Ein wesentlicher Punkt speziell für Paris, ist die Tatsache, dass Aerobars nicht zugelassen sind.(SIEHE UPDATE) Ich persönlich nutze sie sehr gern auf der Langstrecke, da man so den dauerhaften Druck auf die Handflächen vermeiden kann und mehr Abwechslung durch verschiedene Sitzpositionen hat. Jetzt ist die Gretchenfrage, ob man für die Quali-Brevets, die man 2019 vor Paris fährt, die Bars drauf lässt und erst für Paris abschraubt oder ob man sich schon während der ganzen Brevetserie an dieses Setup gewöhnt. Für mich habe ich da noch keine Antwort gefunden, aber das ist ein Luxusproblem. 2015 hieß die Frage für mich zwei Wochen vor PBP, wo bekomme ich ein neues Rad für Paris her. Nach der Quali-Serie hatte ein Auto mein Rad leider geschrottet (mich zum Glück aber halbwegs heile gelassen), so dass ich kurz vor Paris ohne mein Rad dastand. Dank Erik, der mir sein Canyon borgte, konnte ich zum Glück starten. Das Einstellen des neuen Gefährts dauerte 30 Minuten, die erste und einzige Testfahrt war 30 Kilometer um den See. Das einzige Teil meines alten Rades, das mit nach Paris fuhr, war mein Brooks B17-Sofasattel. Glücklicherweise funktionierte das Setup für mich auf den 1200 Kilometern problemlos, empfehlenswert ist es jedoch nicht. Ich würde auch schon auf den 200 Kilometern das gleiche Setup fahren wie in Paris. Denn nur so bemerkt man, wo es noch klemmt, was nervt und optimiert werden kann.


UPDATE: Ich habe direkt beim PBP-Veranstalter nachgefragt, ob ein Aerobar-Setup zulässig ist und Beispielfotos mitgeschickt.

Antwort: Dieses Setup ist zulässig, soweit es sich auf Fotos beurteilen lässt. Eine genaue Prüfung findet vor dem Start statt.

Die vorderen Enden der Bars dürfen nicht über die Bremsen hinausragen.

In einer zu schnellen Gruppe fahren 

In Paris treffen sich Randonneure aus der ganzen Welt alle vier Jahre. Natürlich ist jeder, der den Startbereich verlässt, nervös. Schließlich ist es für viele Langstreckenfahrer das absolute Highlight. Dabei geht die Motivation schnell mit einem durch. Wichtig ist es, trotz der hektischen Startphase möglichst schnell seinen eigenen Rhythmus zu finden. Das empfand ich bei Paris-Brest-Paris sehr viel schwieriger als bei jedem anderen Brevet, weil man so gut wie nie allein fährt und ständig verleitet wird, etwas zu viel Kraft auf die Pedale zu bringen. Wenn man das nicht rechtzeitig bemerkt und herausnimmt, hat das üble Konsequenzen, denn einmal im Loch ist es schwer, da wieder heraus zu fahren. Da ich ohne Powermeter fahre, ist das eine reine Gefühlssache. 

An einer Kontrollstelle viel Zeit verbringen

Das ist sicher einer der Punkte, bei dem es ganz vom individuellen Plan abhängt, wie man ihn handhabt. Fakt ist, dass man bei PBP die Zeit nicht auf der Strecke verliert, sondern an den Kontrollstellen. Gerade an der Essensausgabe bildeten sich 2015 sehr lange Schlange zur Primetime. Es bietet sich an, zumindest tagsüber in einem der vielen kleine Orten einen Essensstop einzulegen. Mein persönlicher Plan ist es, die Zeit an den Kontrollstellen zu minimieren, also nur den Stempel und etwas Essen mit auf den Weg zu holen. Gespräche mit Mitstreitern führe ich lieber auf der Strecke.

Einen detaillierten Zeitplan schmieden

Es kann hilfreich sein, sich Ziele zu setzten. Allerdings macht es wenig Sinn, einen konkreten Plan aufzustellen, dem man dann 1200 Kilometer hinterher fährt. Auf einer solchen Distanz spielen neben der Fitness viele X-Faktoren eine zu große Rolle. Das sind zum Beispiel Wind, Regen, mentale Tagesform, Pannen und Defekte usw. Ich orientiere ich mich an meinen eigenen Zeitfenstern, innerhalb derer ich eine bestimmte Kontrollstelle gern erreichen möchte. Schließlich muss man sich einfach rollen lassen und die Sachen so nehmen, wie sie kommen.

Ich freue mich auf die kommenden Vorbereitungsmonate, viele Ausfahrten mit coolen Leuten und viel Austausch! 

Im PBP2019-Tutorial II zeige ich euch meine persönliche Packliste für Brevets als Orientierung oder Inspiration.

In diesem Sinne: Kette rechts!