mit Rad im Krankenwagen

mit Rad im Krankenwagen

Der Weg nach Paris ist am Ende holpriger als das Kopfsteinpflaster nach Roubaix. Nach anderthalb Jahren Vorbereitung und mehr als 2.500 gefahrenen Brevetkilometern auf Tina, dem Rennrad, war ich guter Dinge, dass alles nach Plan läuft. Meine beiden Radlausicker-Kollegen teilten diesen Optimismus, schließlich haben wir trotz so manchen Tiefs alle Prüfungen gemeinsam bestanden und dabei guten Zusammenhalt bewiesen. In den letzten Wochen fuhr ich nur noch kleinere Runden ums Eck oder mal zum Kaffee zur Familie. Alles bekannte Strecken, schon hundert Mal gefahren.

Genauso wie am Samstag vor einer Woche. Mit voller Brevetausrüstung pedallierte ich gerade wieder nach Leipzig hinein, das Licht eingeschaltet, obwohl es noch nicht so richtig dunkel war – sicher ist sicher. Dann rollte ich, die Couch vor Augen, einen Radweg entlang, der in seinem früheren Leben einmal Fußweg gewesen sein muss. Mir fiel ein, dass mein Kühlschrank keine Schokolade mehr bereit hielt. Mit etwas Beeilung würde ich es noch zum Rewe (oder zum Lidl, Kondi, Aldi ihres Vertrauens 😉 ) schaffen. Plötzlich schob sich da aber etwas zwischen mich, Couch und Schokolade. „Was ist das denn jetzt?“, fragte ich mich verdutzt. „Achja, eine Motorhaube.“, antwortete ich mir ebenso zügig….“Eine Motorhau…“ und schon hoben Tina und ich ab zum Salto. So richtig gestanden hat ihn weder sie noch ich und so saßen wir wenige Minuten beide verdutzt im Krankenwagen und schauten uns an. Paris schien so weit weg wie noch nie. Während ich im Krankenhaus mit dem Notwendigsten versorgt und alle Verletzungen gecheckt wurden, stand Tina allein im Eingang der Notaufnahme. Kein Radmechaniker hatte in dieser Nacht Dienst.

Diagnose: Glück im Unglück, Hämatome an Beinen, Gabelbruch, Schürfwunden an Gliedmaßen, Steuerrohr verbogen, Stauchungen, Laufräder und Schalthebel demoliert.

Nach 10 Tagen hochgelagerten Beinen fühlen die sich langsam wieder besser an und die Aussicht auf Paris wird jeden Tag ein wenig heller. Tina steht nach dem Unfall allerdings unberührt in der Ecke. Stattdessen ist Stahlross Regina für einen eventuellen Einsatz nachnominiert. Die alte Dame war 2010 schon mal in der Stadt und kennt sich bestens aus. Natürlich musste ich ihr erstmal schonend beibringen, dass sie ein paar Kilo zu viel auf die Waage bringe. Nein, sie sei keinesfalls dick, das liege nur an den schweren Anbauteilen. 🙂 Nach ein paar kleinen mechanischen Eingriffen wirkt sie doch noch ganz schön schnittig auf ihre alten Tage. Und schließlich hat es auch etwas, mit dem Rad nach Paris reisen, mit dem man schon schwer bepackt unzählige Kilometer durch Europa pedaliert ist.

Diese Kreuzfahrt durch die Bretagne hat sich Regina verdient, sofern auch der Körper sein ok gibt.

alte Touren-Dame Regina

alte Touren-Dame Regina

Regina wird "leicht" gemacht

Regina wird „leicht“ gemacht

Alte Dame frisch gemacht

Alte Dame frisch gemacht