Indoor
Virtuelle VorbereitungJetzt , wo der letzte Schnee im Tal dahingeschmolzen ist und die Tage wieder länger werden, findet endlich wieder die lang ersehnte Übergangszeit vom Indoor nach Outdoor statt. Und 2026 hält wieder Großartiges parat. Schon seit November bin ich wieder langsam dabei, eine Grundlage aufzubauen, Gran Canaria im Dezember war ein erster Formtest und seit Januar bin ich seit langer Zeit mal wieder auf der Rolle unterwegs – nicht bei Zwift oder Rouvy, sondern auf Trainer Road (Spotify und Netflix).
Digitale Welten vs. nackte Zahlen
Den virtuellen Landschaften konnte ich noch nie viel abgewinnen und sehe da für mich keinen Mehrwert. Ich fand es zwar schon einmal witzig, den Tauropass eine Woche nachdem ich ihn real auf Gran Canaria gefahren war, nochmal im Arbeitszimmer zu Hause zu absolvieren, aber dennoch hat es Rouvy bei mir nicht über den Testzeitraum hinausgeschafft. Stattdessen nutze ich momentan Trainer Road, wo ich der AI meine Saisonziele mitgeteilt habe und sie mir anschließend daraus den Trainingsplan erstellt hat. Das klappt bislang recht gut und ich muss selten länger als 90 Minuten auf der Rolle verbringen. In dieser Zeit höre lieber Podcasts oder schaue ein paar Sportdokus, als meinem digitalen Zwilling auf den Hintern zu starren, während er durch digitale Landschaften schwebt. Je nach Trainingseinheit musste ich dabei zwar feststellen, dass meine Aufnahmefähigkeit mit der Härte der Einheit korreliert. Zum Glück bietet die Podcast-Welt aber für jedes Stadium ein passendes Programm. Im Rahmen dieser Wintersaison konnte ich folgenden Zusammenhang (siehe Graph) evaluieren. 🙂
Spannend an dem Rollentraining der letzten Wochen fand ich die Möglichkeit einmal seine genauen Bewegungsabläufe anzuschauen, ohne in der nächsten Kurve in den Graben zu fahren. Das hilft dabei, die eigenen Bewegungsabläufe zu optimieren und möglichst effizient zu treten. Tatsächlich war ich kurz davor, meine Rollentrainerunterlage zu tauschen, nachdem ich während langer Sweet Spot Einheiten samt Rolle und Matte durch das Zimmer „gefahren“ bin, bis mein Vorderrad vom Käfig des Ventilators gestoppt wurde und die Pedalen bei jedem Tritt an den durch die von der Bewegung aufgeworfenen Falten der Matte schleifte. Ein paar Sessions später und mit mehr Fokus auf die eigenen Bewegungsabläufe passiert das jetzt plötzlich nicht mehr. Ob mein Tritt jetzt runder ist und die Kraft besser dort ankommt, wo sie hin soll, wird sich noch zeigen. Jedenfalls rutsche ich nicht mehr auf meiner Matte durchs Zimmer.
Streckensimulationen auf der Rolle
Meine Intitention, bestimmte Strecken oder einzelne Passagen vor einer geplanten Tour oder einem Event in der Vorbereitung auf der Rolle zu simulieren, war der eigentliche Grund, Rouvy einmal auszuprobieren. Hier ist man allerdings noch etwas limitiert, was die Verfügbarkeit des Videomaterials angeht. Wenn man eine vorhandene Strecke nur 1:1 simulieren möchte, braucht es das aber gar nicht. Es geht viel einfacher.
Im Grunde braucht man nur ein Garmin Edge, das mit der Rolle gekoppelt sein muss und schon steht einem jede Strasse der Welt zum digitalen Erkunden zur Verfügung. Die Kopplung geschieht direkt im Garmingerät unter dem Menüpunkt Sensoren. Abgesehen von Gramin Connect sind dafür gar keine weiteren Apps notwendig. Auf dem Edge kann ich unter dem Indoor-Profil eine bereits gefahrene oder geplante Strecke so laden, als würde ich in der echten Welt losfahren. Ich kann auch eine Gpx-Datei von irgendwo (z.B. Komoot) holen. Die Kartenanzeige und die Datenfelder auf dem Garmin funktionieren auch im Indoor-Modus ganz normal und der Widerstand der Rolle wird direkt über das Edge gesteuert, das die vorhandenen Höheninformationen der Strecke and die Rolle übergibt. So kann man sich im Prinzip jede Passstrasse der Welt planen und anschliessend auf der Rolle simulieren. Oder, je nach Grad der eigenen masochistischen Veranlagung, ganze Touren, Brevets oder Ultra-Races. Ob ich das Race Across Switzerland 2026 schon mal komplett indoor abfahre, mag ich zwar bezweifeln, aber die einzelnen Anstiege – Warum eigentlich nicht?! Wobei ich das Recon lieber vor Ort machen werde 😉
In diesem Sinne – der Frühling kann kommen!
Über mich

Martin Lechtschewski
Randonneur & Blogger
Hi, ich bin Martin und das Radfahren ist eine der wichtigsten Konstanten in meinem Leben. Die Faszination für Abenteuer hat mich zunächst zum Radreisen gebracht. Damals rollte ich noch behäbig über Tage bis Wochen mit 40 Kilo Gepäck über die Straßen Europas. Dabei war es immer diese eine Frage, die mich antrieb, weiter in die Pedale zu treten: "Wie ist es wohl auf den Sattel zu steigen und aus eigener Kraft eine anfangs scheinbar unwirkliche Entfernung zu überwinden, hohe Berge zu bezwingen, fremde Länder zu durchqueren und verschiedensten Menschen zu begegnen?"
Heute kann ich sagen, es ist vor allem eine Begegnung mit sich selbst. Der Moment des Starts und das Erreichen des Zieles spielen am Ende nur Nebenrollen - Es geht vor allem um die Wege dazwischen.
Da es der Alttag nicht ohne weiteres zulässt, 5-6 Wochen am Stück auf dem Rad zu verbringen, landete ich schließlich beim Renndradfahren auf langen Strecken mit möglichst wenig Gepäck. Statt einen Monat bin ich dabei nur ein paar Stunden (bisher nicht mehr als 86) unterwegs und tauche schon mit der ersten Pedalumdrehung ins Abenteuer ein. Heute sagt man dazu Ultracycling, vielleicht auch Bikepacking.
Mir geht es um DIE WEGE DAZWISCHEN