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Costa Blanca

Perfekte Trainingsbedingungen im Winter
Komoot Collection

Spanien 2025 – Rennradfahren an der Costa Blanca

Ich habe ja erst kürzlich eine Lanze für die Costa Blanca gebrochen, wo wir bereits 2024 in die Saison gestartet waren. Jetzt sind wir Wiederholungstäter. Daher möchte ich hier einmal meine persönlichen Highlights in der Region Dénia hervorheben. Während in weiten Teilen Europas der Winter als der natürliche Feind des Radsportlers noch sein Unwesen treibt, kann man südlich von Valencia schon am Frühling schnuppern und die ersten Kilometer in kurz-kurz abspulen. Perfekte Bedingungen für einen frühen Formaufbau – also haben Anne und ich auch dieses Jahr unsere erste Station im Land der Orangen eingelegt.

18°C, Sonne, trockene Straßen – läuft.

Ende Februar: Tagsüber angenehme 18 Grad, abends wird’s halt noch frisch. Aber Hauptsache trocken – die ersten Tage in kurz-kurz haben wir 2025 also schon abgehakt. Radfahren in Spanien fühlt sich einfach gut an: Die Autofahrer sind extrem rücksichtsvoll, und im Hinterland hält sich der Verkehr auch in Grenzen. Findet man in Küstennähe noch Rennradfahrer aller Subgattungen: Vom stylischen Rapha-Dude über die lokale Seniorenrunde von Radsport Dénia bis hin zu den Profi-Teams, die sich hier die Laktatspitzen aus den Beinen fahren, so dünnt sich das Peloton im Hinterland etwas aus, wobei dort wunderbare (zugegebenermaßen auch recht anspruchsvolle) Anstiege warten.

Col de Rates – Strava-Pilgerstätte

Spätestens seit Poggi am Col de Rates einen KOM zementiert hat, pilgert die Rennrad-Community auf diesen Pass. Viele lassen dabei den „schönsten Teil“ aus – der beginnt nämlich erst am höchsten Punkt der Passstrasse. Über Gravel und anschließend fiese 18 % auf rauem Asphalt schraubt sich das Sträßchen weiter in den Himmel, während der leidende Radsportler ihr keuchend folgt – schnaufend, aber irgendwie glücklich.

Nur hier und da ein mitleidig schauender Wanderer. Ansonsten ist man allein auf weiter Flur. Ich hieve mich die letzten Meter nach oben. Dort steht nur noch ein weiterer Radfahrer – über den Lenker gebeugt auf den Asphalt hechelnd. Er wartet offenbar, dass sein Puls wieder in den orangenen Bereich absinkt, hat aber genügend Kraft, um mir wortlos zuzunicken – soviel Respekt gebührt jedem, der es bis hier oben rauf schafft. Einen Augenblick stehe ich über den Lenker gebeugt selbst auf dem Gipfel und hechle dem Asphalt entgegen und warte auf den nächsten Ankömmling. Aber die Sonne steht schon recht tief und es sieht nicht so aus, als komme hier heute noch jemand an. Also rolle ich wieder runter zur Passstrasse. Dabei frage ich mich, was anstrengender ist. Die Rampe hoch zu hechten oder jetzt mit gezogener Bremse und dem Körper hinter dem Sattel die Piste wieder hinunterzurumpeln. Aber die Aussicht hier oben ist es auf jeden Fall wert. 

Val de Ebo – Serpentinen-Traum für Rennradfahrer

Dieser Anstieg gehört natürlich zu jedem Rennrad-Trip an die Costa Blanca dazu. Perfekte Straßen, gleichmäßige Steigung, und eine Kulisse, die sich langsam von grün in eine karge, felsige Landschaft verwandelt. Wer hier trainiert? Die Pro-Teams. Und so hängt schon mal einer im Groupama-Trikot in der Intervallpause am Hinterrad, um kurz zu verschnaufen.

Ein Highlight: Einmal war ich am Abend allein hier unterwegs. Jede Serpentine, jeder Ausblick – alles für mich allein. Und in den letzten Kurven ein Übergang in den Nebel, der das Ganze endgültig in eine epische Szenerie verwandelt hat.

Alcalà de la Jovada – Radfahren auf dem Mond

Du willst Straßen ganz für dich haben? Dann auf zum Mond  Diese Landschaft sieht aus, als könnte hier entweder gleich ein Marlboro-Cowboy aus dem Gebüsch galoppieren oder eine Astronaut über den ausgetrockneten Steinboden springen. Um in diese karge Mondlandschaft zu gelangen, braucht es dabei keine Rakete, sondern nur ein paar Höhenmeter. Zum Beispiel von Orba Richtung Tollos – und dann einfach genießen – also den Ausblick. Den Rampen erkennt man ihre Rampigkeit oft nicht an, aufgrund der weitläufigen Landschaft. Also einfach mal auf den Puls vertrauen und stattdessen lieber die Aussicht geniessen. Hier verirren sich im Februar kaum Menschen. Kein Verkehr, keine Ablenkung – nur du, dein Rad und ein paar versteckte Astronauten-Cowboys.

Els Collados – Noch Energie? Dann hier lang.

Wer auf dem Heimweg noch Körner übrig hat, kann sich den Anstieg nach Els Collados geben. Von der Südseite, bitte. Warum? Weil dort die Straße steiler und der Belag schlechter ist. Die Abfahrt ist also eher nix. Aber der Anstieg? Giftig. Genau richtig. Und man ist – wie so oft – ganz mit sich und seinem dunkelroten Anstiegsprofil auf der Head Unit allein. Oben gibt’s ein kleines Restauran und einen spektkulären Ausblick. Flaschen auffüllen, kurz durchatmen und dann auf die 20 Kilometer lange Abfahrt über Fleix nach Orba zurück. 

Dont do it –  Costa Blanca ohne Küstenstraße

So entspannt sich das Radfahren im Hinterland auch anfühlt – man sollte nie vergessen, dass irgendwo ja auch der Hauptverkehr fließen muss. Und das passiert auf den Küstenstraßen. Klar, auf den Schnellstraßen gibt’s oft breite Seitenstreifen, aber meine Vorstellung von Radurlaub sieht anders aus.

Unser Tipp: Basecamp in Dénia oder Umgebung. Von dort aus lassen sich viele Touren starten, ohne dass man lange an der Küste entlang muss. Wir sind meistens direkt vom Hotel ins Hinterland gefahren – beste Entscheidung.

Unsere Rennrad-Highlights 2025 an der Costa Blanca

Falls ihr Inspiration sucht für den kommenden Winter: Hier findet ihr unsere komplette Collection unserer Touren aus diesem Jahr.

➡ Komoot-Collection Costa Blanca 2025

Fazit: Rennradfahren an der Costa Blanca – Winterflucht für Pedaleure

Die Costa Blanca ist für Rennradfahrer im Winter einfach unschlagbar:

Mildes Klima & trockene Straßen
✔ Perfekte Anstiege & ruhige Nebenstraßen
✔ Rücksichtsvoller Verkehr & gute Infrastruktur
✔ Trainingslager-Spot für Profis & Hobbysportler

Kein Wunder, dass die Pro-Teams hier regelmäßig ihre Basis aufschlagen. Wer dem Winter entfliehen und an seiner Form feilen will, ist hier genau richtig.

Schon mal an der Costa Blanca gefahren?

Fährt eure Partnerin oder euer Partner eigentlich auch Rennrad? Teil ihr diese Leidenschaft? Und wie geht ihr damit um? Im nächsten Post soll es genau darum gehen, welche Herausforderungen es mit sich bringt, als Rennrad-Couple unterwegs zu sein – Vielleicht mit der ein oder anderen erhellenden Erkenntnis 🙂

 

 

 

Über mich

Über mich

Martin Lechtschewski

Randonneur & Blogger

Hi, ich bin Martin und das Radfahren ist eine der wichtigsten Konstanten in meinem Leben. Die Faszination für Abenteuer hat mich zunächst zum Radreisen gebracht. Damals rollte ich noch behäbig über Tage bis Wochen mit 40 Kilo Gepäck über die Straßen Europas. Dabei war es immer diese eine Frage, die mich antrieb, weiter in die Pedale zu treten: "Wie ist es wohl auf den Sattel zu steigen und aus eigener Kraft eine anfangs scheinbar unwirkliche Entfernung zu überwinden, hohe Berge zu bezwingen, fremde Länder zu durchqueren und verschiedensten Menschen zu begegnen?"

Heute kann ich sagen, es ist vor allem eine Begegnung mit sich selbst. Der Moment des Starts und das Erreichen des Zieles spielen am Ende nur Nebenrollen -  Es geht vor allem um die Wege dazwischen.

Da es der Alttag nicht ohne weiteres zulässt, 5-6 Wochen am Stück auf dem Rad zu verbringen, landete ich schließlich beim Renndradfahren auf langen Strecken mit möglichst wenig Gepäck. Statt einen Monat bin ich dabei nur ein paar Stunden (bisher nicht mehr als 86) unterwegs und tauche schon mit der ersten Pedalumdrehung ins Abenteuer ein. Heute sagt man dazu Ultracycling, vielleicht auch Bikepacking

Mir geht es um DIE WEGE DAZWISCHEN