Ultra-Setup Garmin Edge
Lass die Hand am LenkerWinterzeit = Optimierungszeit
Oft bin ich im Winter sehr oft in den Radshops meines Vertrauens unterwegs. Verschleißartikel nachbestellen oder neues Equipment oder ein gänzlich neues Setup oder einfach mal wieder eine neue Radtasche 🙂 Es ist aber auch die Zeit, sich auch mal bewusst zu machen, was eigentlich schon ziemlich gut optimiert ist und gern auch in der neuen Saison genau so bleiben darf. Für mich ist das zum Beispiel das Langstrecken-Setup meines Garmin Edge 1040 Solar.
Weniger Scrollen, mehr Überblick
Die Herausforderung ist es, herauszufinden, wie wichtig oder unwichtig bestimmte Informationen sind, da ich mich persönlich auf Tour nicht mit dem Scrollen durch Datenseiten beschäftigen möchte, sondern möglichst alle wichtigen Informationen auf einen oder maximal zwei Blick(e) haben möchte. Hier habe ich mich über die Jahre immer wieder Kleinigkeiten verändert und jetzt ein für mich sehr gutes Setup gefunden, das vielleicht auch euch als Inspiration dient oder Startpunkt, um euer eigenes Optimum zu finden.
Der Gamechanger: Di2-Schalttasten
Was für mich der absolute Gamechanger war – die „versteckten Tasten“ in den Schalthörnchen der Ultegra Di2 und die damit verbundene Möglichkeit, das Garmin Edge zu steuern. Eine Funktion, die es bei SRAM so nicht automatisch gibt. Falls ihr das bisher nutzt – probiert es unbedingt aus, denn damit müsst ihr die Hände nicht vom Lenker nehmen, um durch verschiedene Datenseiten zu blättern. Ihr findet die Einstellung am Garmin unter:
Einstellungen → Sensoren → Shimano Di2 → Button-Funktionen
Dort gibt es 6 verschiedene Funktionen, die den beiden Tastern links und rechts auf dem Schalthörnchen zugeordnet werden können. Neben dem Blättern durch die Seiten könnte man darüber auch das Licht steuern, Runden starten/stoppen etc. Ich habe die Tasten hier folgendermaßen belegt:
Links normal drücken → vorherige Datenseite
Rechts normal drücken → nächste Datenseite
Links doppelt drücken → direkt zur Höhenprofilseite
Rechts doppelt drücken → direkt zur Kartenseite
Links lange drücken → Runde starten/stoppen
Rechts lange drücken → Runde starten/stoppen (hier wäre noch Platz für eine andere Funktion)
Touchdisplay sperren und sicher fahren
Soweit, so gut. Damit kann ich selbst in einer schlaglochgesäumten Serpentinenabfahrt die Datenseiten wechseln. Gerade wenn ich das Radar zwischen den Aerobars montiert habe, erspart es mir Fingerkrämpfe beim Versuch, durch die Aufleger hindurch das Display mit dem Zeigefinger zu erreichen. Und auch wenn das Touchdisplay nicht allzu empfindlich gegenüber Wassertropfen ist, so kann es schon mal passieren, dass es einen ungewollten flüssigkeitsgesteuerten Datenseitenwechsel gibt. Wenn ich den Garmin Edge über die Di2-Tasten steuere, aktiviere ich dann einfach die „Touchdisplay-Sperre“ am Gerät. Dann sind weder Regen noch Schweiß auf dem Glas noch eine Ausrede, um anzuhalten. Keine Sorge, da habe ich noch genug andere fadenscheinigere Gründe im Sortiment, um zu halten.
Die Karte als Hauptseite
Jetzt kann ich zwar leicht durch die Seiten scrollen, ohne den Lenker loszulassen, aber im Grunde möchte ich das auch auf ein notwendiges Minimum reduzieren. Deshalb habe ich die Infos, die ich haben möchte, direkt auf der Seite, die ich zu 90 % vor mir geöffnet habe. Bei Langstrecken, wo ich die Route selten auswendig kenne, ist das die Kartenseite. Man könnte sich auch auf die Abbiegehinweise verlassen, die immer eingeblendet werden, wenn man sich einer Kreuzung nähert, an der man abbiegen muss. Allerdings habe ich hier das Vertrauen in Armin verloren. Einmal zu viel bin ich geradeaus gefahren und habe erst nach einer Weile gemerkt, dass ich den Track ungewollt verlassen habe. Nein, ich habe ein besseres Gefühl, wenn ich die kleine Linie und mich als kleines Dreieck auf dem Display im Auge behalten kann. Man könnte Armin auch piepsen lassen, aber dagegen bin ich äußerst allergisch. Gepiepst wird nur, wenn ein Auto von hinten kommt. Die einzige andere Ausnahme, die sich Armin noch herausnimmt, ist dieses hämische Anpiepsen, wenn ich am Berg runterschalten will, aber schon im leichtesten Gang bin, nach dem Motto: „Pech gehabt, Kollege. Leichter ist nicht drin!“
Mehr Datenfelder mit MapsDashboard
Wenn man mit der Kartenseite als Hauptseite unterwegs ist, muss man sich entscheiden, welche Infos man noch sehen möchte. Hier ist man werksseitig von Garmin etwas limitiert. Bei den kleineren Edge-Geräten wie dem 540 ist man auf 2 weitere Datenfelder limitiert, bei größeren Geräten wie dem 1040 hat man immerhin 4 zur Auswahl. Allerdings gibt es hier Abhilfe. Und zwar kann man sich im IQ Connect Store ein Datenfelddesign herunterladen und dieses unter die Karte legen. Ich nutze das Datenfeld MapsDashboard. Damit bekommt man 6 Datenfelder unter der Karte gesponsert. Das funktioniert auch auf kleineren Edge-Geräten. Hier muss man nur schauen, wie klein es werden darf, um es noch gut zu lesen. Für mich ginge es gut. Für kleinere Edge-Geräte kann man aber auch die kleine Schwester MapsDashboard4 nutzen. Damit bekommt man statt der 2 immerhin 4 Datenfelder geschenkt. Die Konfiguration der Inhalte, die man in MapsDashboard sehen möchte, macht man über die Datenfeld-Einstellungen am Telefon. Das mag etwas umständlich sein, aber einmal eingestellt, bleibt es in der Regel so.
Meine wichtigsten Datenfelder
Aber was sind jetzt die wichtigsten Infos, die man immer sehen möchte? Für mich sind es folgende 6 Datenfelder, die ich ständig vor mir sehe:
Distanz Hilft mir bei der Orientierung Anstieg die gefahrenen Höhenmeter helfen mir, da ich weiß, was da noch kommt Leistung Indikator, ob ich nicht überpace Herzschlag Check, ob der Wert zur Leistung passt Uhrzeit Wichtig, wenn ich eine Pause plane, abhängig von Öffnungszeiten Geschwindigkeit manchmal für das Ego, manchmal eher nicht.
Zusätzliche Datenseiten für Details
Diese Werte haben für mich in der Vergangenheit sehr gut funktioniert. Und ich komme in 90 % aller Zeit damit aus. Wenn ich doch noch weitere Infos brauche, habe ich aber noch 2 weitere mit Werten gefüllte Datenseiten. Hier habe ich die Seiten maximal ausgenutzt mit jeweils 10 Feldern – also 20 Parameter, die für mich eher zweitrangig, aber dennoch manchmal wichtig sind. Darunter finden sich:
Durchschnittsgeschwindigkeit, -herzfrequenz, -leistung →
Hilft mir unterwegs beim Kopfrechnen von Prognosen, wann ich es bis wohin schaffen könnte.
Verbliebener Anstieg Hilft manchmal dabei, die eben errechnete Prognose wieder über den Haufen zu werfen 🙂
Timer Verstrichene Zeit → Wenig Differenz spricht für sehr disziplinierte Pausen. Sollte im besten Fall den gleichen Wert zeigen (=> siehe auch „Du wirst schneller, wenn du nicht fährst“).
Distanz zum Ziel → Am Anfang ernüchternd, am Ende Motivation.
Distanz zum nächsten Streckenpunkt → Wichtigste Kennzahl, wenn man in Etappen denkt. Das ist die Strecke bis zur nächsten kurzen Pause oder Versorgung.
Rundenzeit, -distanz -anstieg, leistung, herzfrequenz → z. B. für einen Abschnitt zwischen zwei Checkpoints.
Akkustand von Edge, Schaltung, Radar → Die Werte helfen mir, frühzeitig mal ein USB-Kabel anzustecken und zu verhindern, dass dann alles gleichzeitig leer geht.
Stamina → Was machen die inneren Batterien. USB ist hier allerdings bisweilen nutzlos.
Höhenprofil und ClimbPro
Neben den beiden Datenseiten habe ich noch eine Seite mit dem Höhenprofil eingerichtet und Active Climb (im aktiven Anstieg aktiviert). Das heißt, wenn ich in einen vom Garmin klassifizierten Anstieg komme, dann erscheint eine zusätzliche Datenseite mit allen Infos zu dem aktuellen Berg. Das funktioniert i. d. R. aus meiner Erfahrung auf der Straße recht gut. Ich habe es allerdings nicht so empfindlich eingestellt, weil sonst jede Autobahnbrücke als Anstieg daherkommt. Lange Anstiege mit flachen Mittelpassagen werden manchmal als zwei Anstiege erkannt, aber ich möchte das Feature nicht mehr missen.
Komfortseiten
Neben den genannten Datenseiten, die sich eher auf das Fahren beziehen, habe ich auch noch ein paar, die sich eher um die Sicherheit drehen. Zum einen ist das eine Seite zur Steuerung des Radars. Wie ich schon in einem anderen Beitrag beschrieben habe, läuft das Radar automatisch mit. Hin und wieder gibt es aber ein paar Fälle, wo ich es gern manuell kontrollieren möchte. So kann ich es ganz bequem mit einem Fingertippen einschalten, wenn ich tagsüber durch einen Tunnel fahre, und erspare mir eine Sattelstützenakrobatik.
@Garmin Wie toll wäre es, die Daten des Helligkeitssensors im Edge zu nutzen, um das Rücklicht zu steuern?!
Nachrichten bewusst reduzieren
Eine weitere Seite sind Nachrichten, wobei ich mein Garmin Connect so eingestellt habe, dass ich ausschließlich gute alte SMS während der Fahrt auf dem Edge angezeigt bekomme. Warum das? Ganz einfach: Ich möchte nicht zu viel Ablenkung beim Fahren. Und so bleiben WhatsApp und alle SoMe-Kanäle weg von meinem Garmin. Es geht mir am Ende auch um etwas Off-Zeit vom Smartphone, sodass ich es nicht einfach durch mein Garmin ersetzen möchte. Und die Sache mit den SMS hat den Hintergrund, dass nur Anne das Geheimnis kennt (gut, und jetzt noch ein paar andere :-)) und mir ab und an eine kleine Motivation während der Fahrt übermittelt. Und so habe ich natürlich auch wieder einen Grund mehr, Pause zu machen, um WhatsApp zu checken.
Musiksteuerung
Mein letztes Datenfeld ist das für die Steuerung der Musik. Nachdem ich es nie so richtig verstanden habe, wieso man mit Musik fährt, muss ich sagen: Mittlerweile gibt es Phasen (auf dem Arbeitsweg immer oder auch mal auf eintönigen Streckenabschnitten), da freue ich mich über einen Podcast oder ein paar Beats zur Motivation. Während Paris–Brest–Paris 2023 wurde ich live mit einer Spotify-Playlist ausgestattet. Die läuft bis heute.
Fazit und ein letzter Lifehack
Ich hoffe, der Einblick in meine Edge-Einstellungen für Langstrecken und Brevets hilft euch dabei, euer eigenes Optimum zu finden. Einen kleinen, aber nicht ganz unwichtigen Lifehack habe ich zum Schluss noch.
Die Reihenfolge ist entscheidend und die sieht bei mir so aus:
Höhe
Musikfunktionen
Seite 4
Seite 3
Seite 2
Seite 1
Karte
ClimbPro (bei aktivem Anstieg)
Speziell die Anordnung von ClimbPro direkt unter (rechts der) Karte macht es mir sehr einfach, in einem aktiven Anstieg zwischen Anstiegsinformationen und Karte hin- und herzuwechseln. Die ClimbPro-Darstellung kommt mit einer zweiten Seite – einer Übersichtsseite über alle Anstiege auf der Strecke daher. Und dieses Seite ist in einem aktiven Anstieg immer hinter (unter) der Seite mit dem aktiven Anstieg. Das heisst, wenn ihr ClimbPro über (links) von der Karte platziert, müsst ihr immer erst an dieser Seite vorbei, wenn ihr euch zum aktuellen Anstieg navigieren wollt.
Über mich

Martin Lechtschewski
Randonneur & Blogger
Hi, ich bin Martin und das Radfahren ist eine der wichtigsten Konstanten in meinem Leben. Die Faszination für Abenteuer hat mich zunächst zum Radreisen gebracht. Damals rollte ich noch behäbig über Tage bis Wochen mit 40 Kilo Gepäck über die Straßen Europas. Dabei war es immer diese eine Frage, die mich antrieb, weiter in die Pedale zu treten: "Wie ist es wohl auf den Sattel zu steigen und aus eigener Kraft eine anfangs scheinbar unwirkliche Entfernung zu überwinden, hohe Berge zu bezwingen, fremde Länder zu durchqueren und verschiedensten Menschen zu begegnen?"
Heute kann ich sagen, es ist vor allem eine Begegnung mit sich selbst. Der Moment des Starts und das Erreichen des Zieles spielen am Ende nur Nebenrollen - Es geht vor allem um die Wege dazwischen.
Da es der Alttag nicht ohne weiteres zulässt, 5-6 Wochen am Stück auf dem Rad zu verbringen, landete ich schließlich beim Renndradfahren auf langen Strecken mit möglichst wenig Gepäck. Statt einen Monat bin ich dabei nur ein paar Stunden (bisher nicht mehr als 86) unterwegs und tauche schon mit der ersten Pedalumdrehung ins Abenteuer ein. Heute sagt man dazu Ultracycling, vielleicht auch Bikepacking.
Mir geht es um DIE WEGE DAZWISCHEN