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Maurice Brocco 400

Route auf Komoot

Einmal quer durch Sachsen

Am vergangenen Wochenende fand für mich die letzte offizielle Langstrecke im laufenden Jahr fest. Diesmal war es allerdings kein normales Brevet, sodern eine Art Alleycat. Dabei handelt es sich um einen Begriff aus der Radkurierszene. Es sind festgelegt Checkpoints in vorgegebener Reihenfolge anzufahren. Im Gegensatz zu Brevets kann man die Route zwischen den einzelnen Checkpoints aber frei wählen.

Im Pulk geht es aus der Stadt

In Leipzig trafen sich letzten Samstag etwa 100 Fahrer aus dem ganzen Land und darüber hinaus. Mein Mitfahrer stand vor dem Rennen schon fest. Dirk, den ich auf der diesjährigen Pragtour kennengelernt hatte, war mit von der Partie. Die Startzeit am Samstagmittag behagte mir zwar nicht sonderlich, aber dafür war das Wetter genau meins. 25 Grad und Sonnenschein. Kurz vor dem Start gesellte sich Hannes noch zu uns. Allerdings hatte er zu wenige Zigaretten dabei. Deshalb fuhr diesmal nur bis Jena mit. Diese ersten hundert Kilometer waren von starkem Gegenwind gezeichnet. In einer 8-köpfigen Gruppe kamen wir dennoch gut voran, bis sich an einer Kreuzung auf einmal alle für eine andere Richtung zu entscheiden schienen. Plötzlich waren es nur noch Dirk und ich, die sich allein gegen den wind kämpften. Am ersten Checkpoint hielten wir es allerdings sehr kurz. Jetzt war der Wind mit uns und die Berge vor uns. Die Strecke bis zum zweiten Checkoint war etwas zäh, allerdings erreichten wir Chemnitz nach 220 Kilometern noch vor Sonnenuntergang.

Ab in die Nacht – Licht an

Von da an ging es zu zweit durch die Nacht. Dabei ließ ich Dirkules an jedem Anstieg ziehen. Jemandem, der jeden Tag 60 Kilometer im Sattel sitzt, habe ich da wenig entgegenzusetzen 😉 Nachdem wir uns in Radebeul am dritten Checkpoint noch einmal gestärkt hatten, ging es voller Energie zum letzten Checkpoint – und damit zum Highlight der Tour. Als wir um 2:30 Uhr in der Nacht Pausnitz bei Kilometer 340 erreichten, wurden Erinnerungen an Paris-Brest-Paris wach. Schon einen Kilometer vorm Dorf erblickten wir gleißend helle Blinklichter. Auf der Dorfstraße hatte sich ein lautstarkes Empfangskommando platziert, das uns den Weg zum letzten Checkpoint wies. Direkt am Feldrand stand ein Pavillon und darum versammelt das halbe Dorf. Dirks Ankunft  in seiner Heimat brachte die Stimmung zum Kochen. Da spielte es keine Rolle, dass die erste Gruppe gerade schon in Leipzig angekommen war. Hier wurde jeder, der durchhielt, gefeiert. Fürsorgliche Hände nahmen uns die Räder ab, reichten uns Kaffee, Kuchen und was wir sonst so brauchten. Wir wären gern etwas länger geblieben, aber wir hatten ja noch etwas vor. Ein Kumpel von Dirk gesellte sich für den Zielsprint nach Leipzig noch zu uns und dann ging es ab. Der Himmel färbte sich langsam blau – genau wie meine Beine. Wir zogen das Tempo noch einmal an. Um 5:30 erreichten wir nach 17 Stunden und 20 Minuten auf Platz 14 und 15 das Ziel. In einer Hand ein Bier, in der anderen einen Kaffee, beendeten wir das Rennen und begannen zufrieden den Tag.

An dieser Stelle bleibt mir nur mich bei den Organisatoren und den vielen Helfern für die super Vorbereitung und Durchführung zu bedanken. War eine schöne Runde! Wir kommen sicher wieder!

Tour

Details

 

Eine schöne Runde mit Klassiker-Profil. Die offizielle Veranstaltung ist mit viel Liebe organisiert. Was die Versorgung an den Checkpoints angeht, hat es an nichts gefehlt – weder tagsüber, noch nachts. 

  • Anspruch (Gesamt) 85% 85%
  • Klettern 70% 70%
  • Abwechslung 50% 50%
  • Untergrund 55% 55%
  • Mentaler Anspruch 80% 80%

Über mich

Über mich

Martin Lechtschewski

Randonneur & Blogger

Hi, ich bin Martin und das Radfahren ist eine der wichtigsten Konstanten in meinem Leben. Die Faszination für Abenteuer hat mich zunächst zum Radreisen gebracht. Damals rollte ich noch behäbig über Tage bis Wochen mit 40 Kilogram Gepäck über die Straßen Europas. Dabei war es immer diese eine Frage, die mich antrieb, weiter in die Pedale zu treten: "Wie ist es wohl auf den Sattel zu steigen und aus eigener Kraft eine anfangs scheinbar unwirkliche Entfernung zu überwinden, hohe Berge zu bezwingen, fremde Länder zu durchqueren und verschiedensten Menschen zu begegnen?"

Heute kann ich sagen, es ist vor allem eine Begegnung mit sich selbst. Der Moment des des Starts und das Erreichen des Zieles spielen am Ende nur Nebenrollen -  Es geht vor allem um die Wege dazwischen.

Da es der Alttag nicht ohne weiteres zulässt, 5-6 Wochen am Stück auf dem Rad zu verbringen zu können oder zu wollen, landete ich schließlich beim Renndradfahren auf langen Strecken mit möglichst wenig Gepäck. Statt einem Monat bin ich dabei nur ein paar Stunden (bisher nicht mehr als 86) unterwegs und tauche schon mit der ersten Pedalumdrehung ins Abenteuer ein. Heute sagt man dazu Ultracycling, vielleicht auch Bikepacking. Ich finde einen vom österreichischen Langstreckenprofi Christoph Strasser geprägten Begriff viel treffender, da ich weder mit Bengalos im Trikot starte, noch das Verpacken der Ausrüstung in den Vordergrund stelle.

Es geht mir einzig ums  #Weitradlfoan.