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Sachsen - 3er

Route auf Komoot

Strade Bianche auf sächsisch

Jetzt ist es schon März, die Sieger der ersten Radsportklassiker 2022 stehen bereits fest und selbst in Frankreich ist man bei Paris-Nizza bisweilen schon kurz-kurz unterwegs. Jetzt muss es doch auch hier endlich mal mit der Langstreckensaison losgehen….denke ich mir mit Blick auf die Wetterprognosen für das Wochenende. Allerdings erweisen sich Wetterprognosen, die weiter als 3 Tage in die Zukunft blicken eher als der Blick in eine Glaskugel – keine klare, eher so eine aus Milchglas. Bei der Frage, mit welcher Tour ich am besten in diesem Jahr wieder rauf die lange Strecke gehen will, kommt mir der Gedanke: Es sollte auch ein Klassiker sein, etwas, dass ich vielleicht noch nicht gefahren bin. Da kommt mir der Sachsen-Dreier in den Sinn: Dresden – Chemnitz – Leipzig (und wieder zum Start zurück). Schöne Strecke und bei guter Planung ziemlich glatt 300 Kilometer. Die gläserne Wetterkugel wird jetzt aber immer klarer fürs Wochenende und dass nicht zum Guten. Statt 7-8 Grad ist jetzt eher mit 2-4 Grad zu rechnen und auch die Zahl der prognostizierten Sonnenstunden sinkt und sinkt. 

GO ODER COUCH?

Ich stehe vor Frage: Go or Couch? Es gibt gute Argumente für beide Seiten, aber letzten Endes erzähle ich mir die Geschichte, dass 4 Grad und ein bisschen Sonne weniger nicht den Unterschied machen können und ich mir die Couch für wirklich schlechtes Wetter aufsparen kann. Und zack – Ich bin bei Go!

Guten MORGEN

Als der Wecker um 6:00 Uhr klingelt, öffne ich noch Halbschlaf die Wetter-App und dann noch eine und dann noch eine. Ich nehme mal das positivste Ergebnis: -1°c. Ok, damit kann ich arbeiten. Nach 2 Esspressi Dopio und Pasta ala Randonneur gings ans Anschicheten. Nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm – das würde die Kunst sein. Unterhemd, Wintertrikot und dünne Softshell sollen genügen – da müssen die Pausen halt (kurz) ausfallen. Beim Öffnen der Haustür schreit mir ein kalter Schwall Luft ins Gesicht: GUTEN MORGEN, also los!

Strade Binache auf sächsisch

Auf den Straßen liegt etwas Puderzucker, aber alles in einem vertretbaren Bereich – Strade Bianche auf Sächsisch. Das Schöne, wenn man um diese Uhrzeit an einem Samstag durch die Stadt fährt, sind die leeren Straßen. Vorbei an den kleinen bebeutelten Menschenschlangen vor Bäckerfilalen verlasse ich allmählich das Elbtal. Das Garmin zeigt zwischenzeitlich -4°c an, was angesichts des Streckenprofils eher positiv ist. Es geht kontinuierlich bergauf, da bleiben die Beine auf Betriebstemperatur. Die kurzen Abfahrten kann ich nur sehr vorsichtig angehen, doch die Straßen werden langsam trockener. Fast ausschließlich auf kleinen Wegen erreiche ich schon bald Chemnitz. Nach einem kurzen Selfie mit Karl, werfe ich einen Blick auf die Uhr. Halb 10, da rechne mir ich schon Mal durch, wie sich das verhält, denn ich möchte gern im Tageslicht bleiben. Die zeigt sich wie auf Abruf hinter Chemnitz und ich kann sogar meinen Schatten auf dem Asphalt sehen – darüber freut sich jeder Radfahrer. Über Wechselburg und Geithain bügelt es sich recht fix bis Bad Lausick. Nach dem morgendlichen Eiertanz auf angeeisten Straßen fühlt es sich jetzt tatsächlich nach Frühling an – mal abgesehen von den 5°c.

Sachsen-3er Radlausick-Edition

Nach einer Pasta-Pause @ radlausick und einem Schluck Tee ala Einhorn habe ich dann noch einmal kurz auf die Uhr geschaut. Ja, ne, Leipzig wird heute nichts mehr, wenn ich bei Tageslicht ankommen will. Also ist die Entscheidung gefallen. Auf meiner Haus-Klassikerstrecke geht es über Döbeln nach Zehren zurück an die Elbe. Durch die wieder auf Talfahrt befindlichen Temperaturen, fällt es mir immer schwerer, zur Trinkflasche zu greifen und mir diese eiskalte Suppe in den Hals zu schütten – jedes Mal eine interne Ice Bucket Challenge. Das führt dann dazu, dass meine Energiebilanz sich der Talfahrt der Temperaturen angleicht. Die letzten 40 Kilometer werden meine Beine immer schwerer und 20 Kilometer vor zu Hause muss ich dann doch nochmal ein Gel naschen. Auf der Couch angekommen, schmeckt die Pasta dann trotzdem, während das Reply von Strade Biache läuft und ich bin froh, dass wenigstens ich heute ohne Sturz durchgekommen bin.

Jetzt kann es ruhig wärmer werden und die Strecken länger.

Tour

Details

 

Ein sächsischer Klassiker, den jeder Radfahrer aus der Region mal unter die Räder genommen haben sollte. Ich habe versucht, nur kleine Straßen einzuplanen. Bis auf kurz vor Freiberg ist mir das auch gelungen. Für die Schleife von Bad Lausick über Leipzig war es mir dann Anfang März doch etwas zu kalt. Hier hatte ich über die Leipziger Seen geplant, was auf jeden Fall noch ein kleines Highlight gewesen wäre. Naja, nächstes Jahr wieder. Denn Sachsen-3er ist nur einmal im Jahr. 😉

  • Anspruch (Gesamt) 60% 60%
  • Klettern 35% 35%
  • Abwechslung 85% 85%
  • Untergrund 70% 70%
  • Mentaler Anspruch 75% 75%

Über mich

Über mich

Martin Lechtschewski

Randonneur & Blogger

Hi, ich bin Martin und das Radfahren ist eine der wichtigsten Konstanten in meinem Leben. Die Faszination für Abenteuer hat mich zunächst zum Radreisen gebracht. Damals rollte ich noch behäbig über Tage bis Wochen mit 40 Kilogram Gepäck über die Straßen Europas. Dabei war es immer diese eine Frage, die mich antrieb, weiter in die Pedale zu treten: "Wie ist es wohl auf den Sattel zu steigen und aus eigener Kraft eine anfangs scheinbar unwirkliche Entfernung zu überwinden, hohe Berge zu bezwingen, fremde Länder zu durchqueren und verschiedensten Menschen zu begegnen?"

Heute kann ich sagen, es ist vor allem eine Begegnung mit sich selbst. Der Moment des des Starts und das Erreichen des Zieles spielen am Ende nur Nebenrollen -  Es geht vor allem um die Wege dazwischen.

Da es der Alttag nicht ohne weiteres zulässt, 5-6 Wochen am Stück auf dem Rad zu verbringen zu können oder zu wollen, landete ich schließlich beim Renndradfahren auf langen Strecken mit möglichst wenig Gepäck. Statt einem Monat bin ich dabei nur ein paar Stunden (bisher nicht mehr als 86) unterwegs und tauche schon mit der ersten Pedalumdrehung ins Abenteuer ein. Heute sagt man dazu Ultracycling, vielleicht auch Bikepacking. Ich finde einen vom österreichischen Langstreckenprofi Christoph Strasser geprägten Begriff viel treffender, da ich weder mit Bengalos im Trikot starte, noch das Verpacken der Ausrüstung in den Vordergrund stelle.

Es geht mir einzig ums  #Weitradlfoan.