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Stoneman Carbon

Route auf Komoot

Einmal quer durchs Erzgebirge

Es gibt Strecken, die sind so schön, dass man sie einfach immer wieder fahren kann. Außerdem bieten solche Strecken, die man in der Vergangenheit bereits unter die Räder genommen hat, eine gute Chance, ein gutes Bild vom aktuellen Leistungsstand zu bekommen. Nachdem ich letze Woche mit Anne eine 260-Kilometer-Runde um die Leipziger Seen gedreht hatte, soll es jetzt mal wieder in die Berge gehen – diesmal allerdings im Solo.

Ich packe meine Tasche – oder doch nicht

Der Wecker ist auf 2:15 gestellt – und das zum Wochenende. Egal, ich habe Lust auf den Bock und die Wetteraussichten versprechen einen perfekten Radtag. Der muss maximal ausgenutzt werden. Die Strecke vom Stoneman im Erzegebirge soll es werden – mit Start/Ziel in Dresden. Also 360 Kilometer und ca. 6000 Höhenmeter. Die ganz persönliche Stoneman „Carbon“-Challenge beginnt bereits vor dem Start. Wie kann ich Gewicht sparen? Bei so einem Profil, das vom ständigen Kampf gegen die Schwerkraft geprägt ist, ein nicht unwesentlicher Punkt. Was muss alles mit? Geht es ohne Packtasche? Am Vorabend habe ich alle Optionen durchprobiert, für die ich ausgestattet bin. Schlussendlich ist es doch wieder das Ortlieb Frameback geworden, da ich theoretisch zwar alles im Trikot unterbekommen hätte, aber das Ganze vom Fahrgefühl zumindest einem Rucksack gleichgekommen wäre. Da ich mir immer meine Malto-Mischung selbst zusammenstelle, hätte ich mir die Trikottaschen mit den „Koks“-Tüten volstopfen müssen. Da scheint mir die Tasche die bequemere Variante.

Auf bekannten Wegen über den Kamm

Über menschenleere Straßen führt mich meine Route zunächst nach Heidenau, wo ich ins Müglitztal abbiege und mich langsam warm fahren kann. Die moderate Steigung bis Geising ist perfekt um in den Tritt zu kommen. Außerdem ist die Straße so breit und gut einsehbar, dass Wildwechsel und Schlaglöcher nicht so ein große Gefahr darstellen. In Altenberg sind die Beine warm. Über Zinnwald geht es hinüber auf die tschechische Seite. Auf dem Kamm ist es wieder mal recht frisch, aber die aufegehende Sonne wirft meinen Schatten auf die Straße und bringt die Wärme zurück in die Finger. Auf der ersten Abfahrt weckt mein Freilauf alle Bewohner des Waldes, die mich etwas verdutzt anschauen. Guten Morgen! In Horni Jiretin geht es wieder hoch nach Mikulovice. Auch diese Steigung lässt sich gut fahren, auch wenn es hier am Südhang steiler ist als die Anfahrt aus Norden. Aber die meisten Straßen auf böhmischer Seite sind sehr gut asphaltiert und kaum befahren. Nach dem kurzen Abstecher auf den Kamm geht es wieder hinunter nach Chomutov. Hier gibt es erstmal einen schönen Kaffee „Tankstellen-Style“. Es folgen 30 flache Kilometer bis Luzny. Hier beginnt ein 10 Kilometer langer Anstieg zurück auf den Kamm. Das ist sicherlich der schwierigere Teil Richtung Keilberg. Auf dem Kamm angekommen geht es sehr moderat bis Bozi Dar und dann kommt ja nur noch der finale Anstieg auf den Klinovec. Wer bis hierhin durchhält, schafft auch die letzten 4 Kilometer. Leider bleibt mir eine Gipfel-Kofola verwehrt, da das Bistro leider geschlossen ist. Also starte ich direkt wieder und nehme den Schwung glwich mit, um über den Fichtelberg zu rollen. Im letzten Jahr hatte ich hier oben im Hotel übernachtet für jeweils den Stoneman MTB mit Anne und den Genuss-Stoneman Road mit Marcus. Da die Frühstückszeit vorbei war, und ich hier sicherlich auch kein Kofola bekommen würde, klickte ich nach einem kurzen Beweisfoto sofort wieder ein.

Das Beste kommt zum Schluss

Wer denkt, dass der Stoneman nach zwei Südhanganstiegen, Klinovec und Fichtelberg vorbei sei, hat seine Rechnung ohne den Bärenstein (Berg) gemacht. Nicht zu verwechseln mit Bärenstein (Ort). 2019 hatte ich den Berg …naja…irgendwie „vergessen“, was mir bis heute vorgehalten wird. Daher gibt es heute keine Ausrede. Ohne diesen zu bezwingen, kann es nicht nach Hause gehen. Das ist schon ein richtiges Arschloch, bei dem man sich über jeden Zahn auf dem Ritzel freut. Um die 170 Höhenmeter zu überwinden, bleiben einem knapp 2 Kilometer. Der Anstieg beginnt sehr steil und wir dnach oben hin steiler. Als der Bär erlegt ist, stelle ich mich mental auf eine 140 Kilometer lange Heimfahrt ein. Aber es wird natürlich niemals flach auf der Stoneman-Strecke. Die Anstiege nach Kühnheide und nach Seiffen bleiben aber im moderaten Prozentbereich. Bis Bärenfels bleibt es stetig hügelig. Und natürlich gibt es auch noch eine kleine Rampe, bevor es wiede hinunter nach Dresden geht. Von Schmiedberg kletter ich noch einmal auf die Hochwaldstraße (100 Höhenmter auf eine Kilometer). Die Beine haben mittlerweile kapiert, dass Protest heute nichts mehr bringt und haben ihre Rache auf morgen vertagt. Von jetzt an geht es immer talwärts durch die Apfelplantagen wieder zurück in die Stadt.

Nächste Woche starte ich beim ersten offiziellen Brevet für dieses Jahr – dem neuen Dresdner 400er. Ich bin gespannt und freue mich auf alte und neue Gesichter .

Tour

Details

 

Der offizielle Stoneman Road im Erzgebirge erstreckt sich über 290 Kilometer und 4900 Höhenmeter und muss für die Gold-Wertung innerhalb eines Tages gefahren werden. Hier könnt ihr euch direkt anmelden. Dieser individuelle Track mit Anfahrt von Dresden aus hat eine Gesamtlänge von 360 Kilometern und ca. 6000 Höhenmeter. Der längste Anstieg ist der zum Keilberg aus Süden, aber es sind vor allem die kürzeren und giftigeren Rampen, die am Ende die Nadelstiche setzen. So zum Beispiel der Bärenfels. Landschaftlich eine sehr abwechslungsreiche Strecke mit sehr guten und ruhigen Straßen.

  • Anspruch (Gesamt) 85% 85%
  • Klettern 95% 95%
  • Abwechslung 80% 80%
  • Untergrund 85% 85%
  • Mentaler Anspruch 75% 75%

Über mich

Über mich

Martin Lechtschewski

Randonneur & Blogger

Hi, ich bin Martin und das Radfahren ist eine der wichtigsten Konstanten in meinem Leben. Die Faszination für Abenteuer hat mich zunächst zum Radreisen gebracht. Damals rollte ich noch behäbig über Tage bis Wochen mit 40 Kilogram Gepäck über die Straßen Europas. Dabei war es immer diese eine Frage, die mich antrieb, weiter in die Pedale zu treten: "Wie ist es wohl auf den Sattel zu steigen und aus eigener Kraft eine anfangs scheinbar unwirkliche Entfernung zu überwinden, hohe Berge zu bezwingen, fremde Länder zu durchqueren und verschiedensten Menschen zu begegnen?"

Heute kann ich sagen, es ist vor allem eine Begegnung mit sich selbst. Der Moment des des Starts und das Erreichen des Zieles spielen am Ende nur Nebenrollen -  Es geht vor allem um die Wege dazwischen.

Da es der Alttag nicht ohne weiteres zulässt, 5-6 Wochen am Stück auf dem Rad zu verbringen zu können oder zu wollen, landete ich schließlich beim Renndradfahren auf langen Strecken mit möglichst wenig Gepäck. Statt einem Monat bin ich dabei nur ein paar Stunden (bisher nicht mehr als 86) unterwegs und tauche schon mit der ersten Pedalumdrehung ins Abenteuer ein. Heute sagt man dazu Ultracycling, vielleicht auch Bikepacking. Ich finde einen vom österreichischen Langstreckenprofi Christoph Strasser geprägten Begriff viel treffender, da ich weder mit Bengalos im Trikot starte, noch das Verpacken der Ausrüstung in den Vordergrund stelle.

Es geht mir einzig ums  #Weitradlfoan.