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Ruanda - Zukunft auf 2 Rädern

Ruanda – ein anderes Fahrgefühl

Hannington drückt das Gaspedal des beigen Landcruisers durch, dass es mich sanft in den Sitz presst. Es fühlt sich nicht wie bei einem Sportwagen an, den man aus dem Stand auf Höchstgeschwindigkeit treibt. Es ist eher das Gefühl des Getragenwerdens. Nicht besonders schnell, aber zuverlässig und beständig – egal ob die Straße mal etwas gröber wird oder komplett verschwindet, egal ob es nach oben oder unten geht: Vorwärts geht es immer.

Seit wir die Grenze von Uganda nach Ruanda überquert haben, versuche ich ein Gefühl in mir zu greifen, das den Unterschied beschreiben könnte. Was soll schon anders sein in einem Nachbarland? Und dann noch in so einem kleinen?

Der Gedanke bringt mich zu Parallelen zur Schweiz: Ruanda ist ein kleines Land. Das heisst in Zahlen 14Mio., 26.000 Quadratkilometer und 1000 Hügel. In Uganda waren die Straßen eher MTB- Terrain, in Ruanda sind sie nicht rauher aus in der Bretagne  Und dann fällt noch etwas auf: Während man in Uganda über hunderte „Schlafende Polizisten“ holpert, leistet sich Ruanda Blitzer in einer Dichte, die ich sonst nur aus Bayern kenne.

Und das, obwohl hier die wenigsten Menschen ein Auto fahren. Die meisten sind mit einem Verkehrsmittel unterwegs, das auch ich sehr zu schätzen weiß.

 

Radfahren in Ruanda: Alltag auf zwei Rädern

War in Uganda das Motorrad das meistgenutzte Verkehrsmittel, so wurde es mit dem Grenzübertritt vom Fahrrad abgelöst – und das im Land der schon erwähnten tausend Hügel, wie Ruanda auch genannt wird. Das Rad ist hier in erster Linie ein Transportmittel für Handelsware, Baustoffe, Lebensmittel, Taxi-Gäste oder was auch immer den Hügel hinauf muss.

Und wie in der Hipster-Szene in Berlin sind die allermeisten hier mit Single-Speed unterwegs.

Rennrad trifft Realität

Der Landcruiser bremst, da sich vor uns ein LKW mühsam die Straße hochquält. In Schrittgeschwindigkeit rollen wir hinterher, da die Straße hinter einer Kurve verschwindet und ein Überholen gerade nicht zulässt. Meine Augen starren in die Weite der Hügellandschaft, als mich ein eigentlich irgendwie gewohntes Bild ungewohnt hart aus dem Träumen reißt: Ein Rennradfahrer überholt uns und anschließend den schleichenden LKW bergauf. Gern würde ich das Fenster aufreißen und „allez, allez!“ hinterherbrüllen, aber ich schaue einfach nur starr und perplex durch die Fensterscheibe.

So normal dieses Bild eines Rennrads noch vor einer Woche zu Hause auch war – so unendlich weit hat es sich in der Zwischenzeit entfernt, um jetzt mit voller Kraft zuzuschlagen. Ja, auch in Afrika fährt man Rennrad – auch wenn mir, abgesehen von Biniam Girmay, gerade kein einziger Name eines Profis einfällt.

Ich stelle mir vor: Wenn die Menschen hier bessere Trainingsbedingungen hätten und bessere Bikes – sie würden die Radsportwelt auf den Kopf stellen und sich nicht hinter der heutigen Radsportelite verstecken müssen. Hier fahren die Menschen von klein auf – aber nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern einfach, um von A nach B zu kommen. Ohne Wattmesser, ohne Garmin – dafür mit 300 Bananen auf dem Gepäckträger.

Kigali 2025 – Straßen-WM am Äquator

Immer wieder treffen wir zwar auch auf Rennradfahrer. Und auch wenn sie noch ein etwas exotisches Bild abgeben, so wird der Radsport in Ruanda immer populärer. Das hat auch der Weltradsportverband erkannt. So finden die Straßen-Weltmeisterschaften 2025 rund um Kigali statt.

Dort sind die Straßen außerordentlich gut beschaffen, und so wird Pogacar im September versuchen, sein Regenbogentrikot zu verteidigen. Und die Chancen stehen gar nicht schlecht – es wird der schwerste Kurs seit Beginn der Weltmeisterschaften sein. 1000 Hügel halt.

Race Across Switzerland: Mein nächstes Ziel

Für mich geht es nächste Woche beim Race Across Switzerland nicht über 1000 Hügel, aber immerhin 1000 Kilometer – mit ein paar namenhaften Größen wie Bernardino, Grimsel, Gotthard und Furka.

📍 Start ist Mittwoch, der 13. August 2025 um 10:30 Uhr.
🚴🏼 Dotwatching erlaubt – meine Race-Number: 1005
🔗 Hier ist der Link zum Live-Tracking

Über mich

Über mich

Martin Lechtschewski

Randonneur & Blogger

Hi, ich bin Martin und das Radfahren ist eine der wichtigsten Konstanten in meinem Leben. Die Faszination für Abenteuer hat mich zunächst zum Radreisen gebracht. Damals rollte ich noch behäbig über Tage bis Wochen mit 40 Kilo Gepäck über die Straßen Europas. Dabei war es immer diese eine Frage, die mich antrieb, weiter in die Pedale zu treten: "Wie ist es wohl auf den Sattel zu steigen und aus eigener Kraft eine anfangs scheinbar unwirkliche Entfernung zu überwinden, hohe Berge zu bezwingen, fremde Länder zu durchqueren und verschiedensten Menschen zu begegnen?"

Heute kann ich sagen, es ist vor allem eine Begegnung mit sich selbst. Der Moment des Starts und das Erreichen des Zieles spielen am Ende nur Nebenrollen -  Es geht vor allem um die Wege dazwischen.

Da es der Alttag nicht ohne weiteres zulässt, 5-6 Wochen am Stück auf dem Rad zu verbringen, landete ich schließlich beim Renndradfahren auf langen Strecken mit möglichst wenig Gepäck. Statt einen Monat bin ich dabei nur ein paar Stunden (bisher nicht mehr als 86) unterwegs und tauche schon mit der ersten Pedalumdrehung ins Abenteuer ein. Heute sagt man dazu Ultracycling, vielleicht auch Bikepacking

Mir geht es um DIE WEGE DAZWISCHEN