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Südtirol

Kaiserschmarrn und Pizza

Wo findet man Berge, Sonne, guten Esspresso und Aussichten auf Kurz-Kurz bereits im März (ohne in den Flieger steigen)? Schon im letzten Herbst hatten Anne uns die gleiche Frage für den Oktober gestellt. Die Antwort lautete damals wie heute: Südtirol. Südlich der Alpen, dort, wo die Sprache vom Deutschen langsam ins Italienische übergeht, wo sich zwischen Apfelplantagen und Weinbergen schon die ein oder andere Palme in die Vegetation mischt, während im Hintergrund noch schneebedeckte Gipfel etwas vom Winter erzählen wollen. Hier findet man alles, was das Rennradherz höher schlagen lässt und das zu einer Jahreszeit, in der der es in Deutschland noch oder schon etwas ungemütlich sein kann.

Für alle was dabei

Das Etschtal mit seinem milden Mikroklima lädt den Rennradfahrer ein, nach Süden Richtung Gardasee zu pedalieren oder ein paar schöne Pässe mit moderaten Steigungen zu fahren (Mendelpass von Kaltern aus, Gampenpass oder Ultental von Lana oder Ritten von Bozen). Wer es giftig mag, kommt aber ebenso auf seine Kosten (z.B. mit einem Ausflug in den Nationalpark Trodena von Kaltern aus Auf den ca. 10 Kilometern und den 1000 Höhenmeter kann, ist man froh über jeden Jahn auf der Kassette.

Endlich wieder kurz-kurz

Natürlich gehört sowohl im Oktober als auch im März auch etwas Gnade von Petrus dazu, aber auch auf Mallorca kann man um diese Jahreszeit Pech haben und zum Testen der Regenklamotten gezwungen werden. Wir haben in diesem Frühjahr Glück und sind an 3 von 5 Fahrtagen sogar Kurz-kurz unterwegs und nie gezwungen, aufgrund des Wetters ausschließlich an der Etsch zu bleiben. Das Tal ist im Prinzip ein sicheres Backup, da Bozen fast immer von dem richtig bescheidenen Wetter verschont bleibt, da das meist in den Alpen hängen bleibt. 

Was fehlt da zwischen den Beinen?

Im letzten Herbst hatten wir uns direkt im Heimatort des Gewürztraminers einquartiert – in Tramin an der Weinstraße. In diesem Jahr haben wir in Lana, direkt am Fuße des Gampenpasses, unser Quartier aufgeschlagen. Die Region um Meran eignet zu einer wärmeren Jahreszeit auch um von hier Reschenpass und Stelvio in Angriff zu nehmen. Allerdings ist das Anfang April auch bei verhältnismäßig weing Schnee noch keine Option. Aber es gibt auch ohne diese Legenden genug schöne vertikalen Straßen. Die sind meist gut asphaltiert, wobei wir auch hin- und wieder ein paar Gravelpassagen unter die Räder nehmen, wenn wir Komoot-Empfehlungen folgen. Mit 28er-Reifen alles fahrbar und tatsächlich begegnen uns hier auch einige andere Rennradfahrer. Das muss man nur wissen, falls man an dieser Stelle etwas empfindlich ist. Die bekannten Routen um Mendel- und Gampenpass sind nicht autofrei, aber der Verkehr ist moderat und es sind nur wenige Autofahrer im „Dresden-Style“ unterwegs. Es gibt aber oft auch sehr schöne Radwege und kleine Nebenstraßen, die sehr zu empfehlen sind, da man hier um diese Jahreszeit vollkommen allein unterwegs ist. Die unzähligen E-Bikes verirren sich nur selten in die Berge. Und falls doch, stellen sie eine willkommene Challenge dar. Das Ganze soll ja auch einen Trainingseffekt haben! Immer wieder wandern etwas ungläubige Blicke zwischen Annes und meine Beine – dorthin, wo doch eigentlich ein Akku sein müsste. 🙂 Aber wie gesagt, die meisten E-Bikes rollen an der Etsch entlang und die allermeisten von ihnen stehen eher geparkt vor einem der zahlreichen süßen Cafés und Restaurants. Aber auch andere Rennradfahrer treffen wir abseits der Täler kaum um diese Jahreszeit. Und wenn, dann sind sie so dick eingepackt in Winterklamotten wie ich an einem kalten Januarmorgen auf dem Weg zur Arbeit bei -5°c. In ihren Augen müssen wir wohl Engländer sein, die sich bei den ersten Sonnenstrahlen die Klamotten vom Leib reißen und einen auf kurz-kurz machen 🙂

Licht und Jacke sollten nicht fehlen

Im März ist der Temperaturunterschied zwischen Tal und Berg deutlich spürbar. An unseren sonnigen Tagen starten wir unten bei Temperaturen um die 20°c auf ca. 250 Höhenmetern und haben oben noch auf den Pässen (Klobenstein: 1154hm, Gampenpass: 1518hm, Mendelpass: 1360hm) eher 5-7°c und etwas Restschnee am Straßenrand. Für die Auffahrt ist das alles noch in Kurz-kurz machbar. Für die Abfahrt braucht man unbedingt eine Weste, besser eine Windjacke und ein Buff, ansosten leidet man bergab mehr als bergauf. Ebenso obligatorisch sind ein Rücklicht und ein vernünftiger Scheinwerfer, da die Straßen teilweise durch Tunnel führen. Insbesondere im Ultental und auf dem Rückweg vom Ritten nach Bozen sind diese teilweise fast 2 Kilometer lang.

Fazit

Südtirol ist definitiv unser Rennraddomizil für die Übergangszeit im Frühling und Herbst, da man hier von Deutschland aus schnell und unkompliziert hinkommt und es der einzige Ort auf der Welt ist, an dem man gleichzeitig gute Pizza und guten Kaiserschmarrn bekommt 🙂

TourEn

 

Über mich

Über mich

Martin Lechtschewski

Randonneur & Blogger

Hi, ich bin Martin und das Radfahren ist eine der wichtigsten Konstanten in meinem Leben. Die Faszination für Abenteuer hat mich zunächst zum Radreisen gebracht. Damals rollte ich noch behäbig über Tage bis Wochen mit 40 Kilogram Gepäck über die Straßen Europas. Dabei war es immer diese eine Frage, die mich antrieb, weiter in die Pedale zu treten: "Wie ist es wohl auf den Sattel zu steigen und aus eigener Kraft eine anfangs scheinbar unwirkliche Entfernung zu überwinden, hohe Berge zu bezwingen, fremde Länder zu durchqueren und verschiedensten Menschen zu begegnen?"

Heute kann ich sagen, es ist vor allem eine Begegnung mit sich selbst. Der Moment des des Starts und das Erreichen des Zieles spielen am Ende nur Nebenrollen -  Es geht vor allem um die Wege dazwischen.

Da es der Alttag nicht ohne weiteres zulässt, 5-6 Wochen am Stück auf dem Rad zu verbringen zu können oder zu wollen, landete ich schließlich beim Renndradfahren auf langen Strecken mit möglichst wenig Gepäck. Statt einem Monat bin ich dabei nur ein paar Stunden (bisher nicht mehr als 86) unterwegs und tauche schon mit der ersten Pedalumdrehung ins Abenteuer ein. Heute sagt man dazu Ultracycling, vielleicht auch Bikepacking. Ich finde einen vom österreichischen Langstreckenprofi Christoph Strasser geprägten Begriff viel treffender, da ich weder mit Bengalos im Trikot starte, noch das Verpacken der Ausrüstung in den Vordergrund stelle.

Es geht mir einzig ums  #Weitradlfoan.